236 Kap. VII. Die sociale Mechanik. \. Der Lohn.
Quecksilber im Barometer, er steigt und fällt bei dengeringsten Veränderungen der ökonomischen Atmosphäre.Frage ich mich: wo ist die Idee der Gerechtigkeit inunseren socialen Einrichtungen am vollendetsten zurVerwirklichung gelangt, so lautet die Antwort: im Verkehr.Frage ich mich: wo am frühesten, so wiederum: .imVerkehr — Verkehr und Lohn sind früher da gewesenals Staat und Strafe. Frage ich endlich: wo am gleich-massigsten in der ganzen Welt, so wiederum zum drit-ten Mal: im Verkehr. Recht und Strafe sind diesseitsdes Gränzpfahls anders gestaltet als jenseits, aber Preiseund Löhne kennen keine Gränzpfähle, obschon es aller-dings gewisse Umstände gibt, welche ihrer völligen Aus-gleichung in verschiedenen Staatsgebieten hindernd in denWeg treten.
Die Anwendung des Begriffs dcr^Gerechligkeit auf denLohn erschliesst das Versländniss eines eigentümlichenpsychologischen Phänomens, ich meine das Widerstrebenmancher nichts weniger als geizigen Personen, eine SacheJiber ihren wahren Werth zu bezahlen, selbst wenn dieDifferenz kaum der Rede werth ist. Die Ursache ihresWiderstrebens liegt nicht sowohl, wie Unkundige meinen,im Geiz, als vielmehr in ihrem ausgeprägten ökonomischenGerechtigkeitsgefühl, welches den Gedanken, dem Geg-ner etwas geben zu sollen, was ihm nicht gebürt,nicht ertragen kann. Der Groschen, um den sie ge-kämpft haben, kommt ihnen nicht selten ausserordentlich