194 Kap. VII. Die sociale Mechanik. I. Der Lohn.
zu afficiren; in diesem Falle würden die Grundsätze über denArbeitslohn auch auf den Gehalt volle Anwendung finden.Dass dieses aber nicht der Fall ist, dass jene Gombinalionden ökonomischen Lohn vielmehr in einer Weise beein-flusst, die von dem. was sein Wesen ausmacht: der Ge-währung des vollen Aequivalenls für die Arbeil unterUmständen kaum das geringste übrig lässt, davon kannsich Jeder überzeugen, der an den drei genannten Ver-hältnissen: der Kunst, der Wissenschaft und dem öffent-lichen (Staats- und Kirchen-)Dienst die Probe machen will.
Ist die hohe Besoldung eines katholischen Kirchenfürstenein Aequivalent für seine Arbeit? Entspricht die oft sohohe Differenz zwischen dem Gehalt des Präsidenten einesCollegiums und dem seiner Räthe dem verschiedenen Werthihrer Arbeitskraft oder dem verschiedenen Maass ihrer An-spannung? Richtet sich das Honorar des Schriftstellers,Componisten stets nach der Güte seiner Schrift oder Com-posilion? Schubert hat manche seiner unvergänglichstenCompositionen fast umsonst dahin gegeben, während zuderselben Zeit und an demselben Ort der WalzercomponistStrauss für seine Walzer schweres Geld löste.
Ist es das Geld, was dem Maler, Bildhauer, Dichter,Gelehrten die Hand führt, also der »Arbeitslohn«? Cor-nelius opferte in der Villa Bartholdi in Rom ohne allenLohn Jahre lang Zeit und Mühe, nur um die Frescomalereiwieder in Aufnahme zu bringen, und doch war er ein völligmittelloser Mensch, der sich oft in drückendster Noth be-