Der ökonomisch-ideale Lohn. 193
dass der Lohn für den gewöhnlichen Arbeiter das einzigeMotiv derselben bildet, während der Arzt, Advocat, Künst-ler, Gelehrte, Lehrer, Prediger, Staatsdiener, wenn er nichtein reiner Handwerker ist, das Motiv seiner Thätigkeitund seine Befriedigung keineswegs ausschliesslich in demGelde, sondern zugleich noch in etwas Anderm findet. Hättejener Sprachgebrauch nur in einer Delikatesse seinen Grund,so würde die Wissenschaft alle Ursache haben, sich vonihm loszusagen, denn er würde dann nur auf dem von derheutigen Zeit völlig überwundenen antiken Vorurtheil be-ruhen, als ob in der Annahme eines Lohnes für die Arbeitetwas Beschämendes liege. Wo der Lohn sachlich Ar-beitslohn ist, wäre eine Umgehung dieses Ausdrucks wegender socialen Stellung des Empfängers eben so sinnlos, alswenn man Kaufgelder, Pachtzinsen, Geldzinsen, Börsenge-schäfte bei Personen von hohem Stande mit einem andernNamen belegen wollte als bei Personen niedern Standes.Die Sprache ist zu verständig, um auf solche völlig be-deutungslose subjeclive Momente Gewicht zu legen.
Das Wesen des Gehalts und aller ihm gleichartigenLohngestallungen beruht auf der Verbindung des ökonomi-sehen und idealen Lohnes. Sie fügen zu den zwei Artendes einfachen Lohns: dem rein ökonomischen und dem reinidealen noch eine dritte gemischte Art hinzu: den ge-mischten oder ökonomisch-idealen. Es wäre denk-bar , dass bei dieser Verbindung beide Elemente wie beieinem Gemenge sich nur vereinigten, ohne sich gegenseitig
v. Jhe ring, Der Zweck im Eeclit. 13