192 Kap. VII. Die sociale Mechanik. 1. Der Lohn.
Es ist durchaus erforderlich sich von dieser Ansichtlos zu machen. Nicht etwa, weil sie die Kunst und Wissen-schaft herabsetzt; sondern weil sie sich in einer Weise vonder Wahrheit entfernt, die das Verständniss der Wirklich-keit aufhebt. Das Richtige ist: es gibt zwei Gebiete dersocialen Arbeit, auf dem einen bildet das Geld den allei-nigen Zweck und Hebel aller auf demselben vorkommen-den Operationen, auf dem andern hat das Individuumausser dem Gelde noch ein anderes Ziel seines Strebensim Auge. Dem letzteren Gebiet gehören an die Kunstund Wissenschaft, der Kirchen- und Staatsdienst. DieSprache mit ihrem feinen Treffer hat den Unterschied bei-der Gebiete richtig erfasst, bei dem ersten nennt sie denLohn «Arbeitslohn«, bei dem zweiten vermeidet sie ge-flissentlich diesen Ausdruck und ersetzt ihn durch andere.Der Schriftsteller, Componist, Arzt erhält keinen »Lohn«oder »Arbeitslohn«, sondern »Honorar«, der Beamte »Ge-halt«, »Besoldung«, (im Fall einer ausserordentlichen Zu-wendung »Remuneration«) der Schauspieler und der Offi-cier »Gage«, der Advocat »Deserviten«. Das ist keineblosse Courloisie des Ausdrucks, die dem Empfanger dasBeschämende der Thalsache ersparen soll, dass er für Geldarbeitet, und eben so wenig zielt die Verschiedenheit derBezeichnung bloss auf den Gegensatz der physischen undgeistigen Arbeit, sondern es soll meines Erachtens damitdie Verschiedenheit der Beziehung des Lohnes zurArbeit ausgedrückt werden, und diese besteht darin,