180 Kap. VII. Die sociale Mechanik. 4. Der Lohn.
Arbeit wünschte, die erforderlichen Geldmittel von dem-jenigen aufleihen, der sie entbehren kann, das aber ist,wie wir sahen, der Kapitalist, das Geschäft aber, wo-durch es geschieht, das Dar lehn.
Wir haben das Darlehn früher zwar schon berührt(S. 108), aber noch keine Gelegenheit gehabt, desseneigentümliche Stellung und Function im Verkehrssystemfestzustellen. Dieselbe ergibt sich aus dem Gesagten.Das Motiv des Tauschvertrages ist die Befriedigung desBedürfnisses, das Motiv des Darlehns die Gewährung derMittel zur Befriedigung des Bedürfnisses, das Darlehnist der dem Käufer, Miether u. s. w. fehlende Lohn;*)zwei Leute wirken zusammen, um sein Bedürfniss zu be-friedigen , der Eine gewährt ihm die Sache oder Dienste,der Andere das Geld.
Das Motiv, welches letzteren dazu bestimmt, kann einuneigennütziges sein — das Darlehn des Freundes oderMenschenfreundes: das unentgeltliche — oder eineigennütziges — das Darlehn des Geschäftsmannes, desKapitalisten: das verzinsliche. Ersteres kommt, wiewir seiner Zeit (S. 128) nachgewiesen haben, für den Ver-kehr nicht in Betracht.
So schiebt sich also neben die Tauschverträge das
*) Leser einer gewissen Kategorie werden mir den Einwand ent-gegensetzen, dass das Darlehn auch dazu dienen könne, eine andereDarlehnsschuld abzutragen oder schuldige Zinsen zu zahlen; ichhoffe, dass ich für die Mehrzahl meiner Leser nicht nöthig habenwerde, diesen Einwand zurückzuweisen.