Druckschrift 
1 (1877)
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

Der Credit; Kritik der römischen Auffassung. 179

Aber um Credit zu erhalten, muss Jemand da sein, derihn gibt, und geben kann ihn nur derjenige, welcher sichrelativ im Ueberfluss befindet, d. i. mehr hat, als er ab-solut nöthig hat, mit andern Worten: der gespart hat.Denken wir uns jeden Menschen mit denjenigen Mittelnversehen, aber auch auf diejenigen beschränkt, die zurmomentanen Befriedigung des Bedürfnisses erforderlichsind, so ist weder ein Greditnehmen nöthig, noch einCredit geben möglich. Damit der Credit im Verkehrauftrete, ist nöthig ein doppeltes Verhältniss der Incon-gruenz zwischen Bedürfniss und Mitteln, nämlich in derPerson des Einen ein Ueberschuss des Bedürfnisses überdie Mittel, in der des Andern ein Ueberschuss der Mittelüber das Bedürfniss, Credit geben kann nur der Kapitalist,er reicht bei Individuen wie bei Völkern nur so weit, alsKapitalien d. h. disponible Ersparnisse vorhanden sind.

Man wende nicht ein, dass doch der Krämer oderHandwerker, von dem wir unsere Waaren auf Credit be-ziehen, kein Kapitalist sei. Insofern er sich in der Lagebefindet, den Preis einstweilen entbehren zu können, ister in der That Kapitalist, sonst könnte er uns die "Waarenicht auf Credit geben. Denken wir uns den Handwerkerin einer Lage, dass er, wie der Taglöhner oder Geselle,von seinem täglichen Verdienst leben müsste, so könnteer nur gegen Baarzahlung arbeiten, und Bestellungen aufCredit w 7 ürde er ablehnen müssen. In einem solchen Fall

müsste der Besteller, wenn er gleichwohl von ihm die

12*