178 Kap. VII. Die sociale Mechanik. 1. Der Lohn.
Interesse, denn indem es die Mittel zur Befriedigung desBedürfnisses nur zur Zeit versagt, sie aber für die Zu-kunft in Aussicht stellt, ruft es eine eigenthümliche Artder ökonomischen Manipulation ins Leben, darauf berech-net, die zukünftige Erwerbsaussicht schon jetzt ökonomischzu verwerthen. So wie die Gegenwart der Zukunft, somuss auch die Zukunft der Gegenwart aushelfen. Hat dieGegenwart mehr, als sie bedarf, so legt sie bei guterWirthschaft den Ueberschuss für die Zukunft zurück —d. h. sie spart. Werden dieser Ersparnisse mehr, alsbei dem Normalmaass des individuellen Bedürfnisses ver-braucht werden, so nennen wir sie Kapitalien. Kapi-talien sind Ueberschüsse der AVirthschaft, welche die fort-gesetzte Anfecchtung des Bedürfnisses siegreich bestandenhaben. Es ergibt sich, dass der Begriff ein relativer ist.Eine Summe von 300, vielleicht selbst 30 Mark kann fürden Armen ein Kapital sein, d. h. eine bei ihm gegen dieAnfechtungen des Bedürfnisses vollständig gesicherte Er-sparniss, bei dem Beichen die zehn- und hundertfacheSumme vielleicht noch nicht — das Kapital beginnt, wo dasBedürfniss endet. Hat umgekehrt die Gegenwart weniger,als sie bedarf, so borgt sie von der Zukunft, und diesBorgen von der Zukunft heisst Credit. Credit und Sparensind die ökonomische Ausgleichung des Deficils und Ueber-schusses der Gegenwart mit dem entgegengesetzten Zu-stande der Zukunft.
So wird also die Verlegenheit die Mutter des Credits.