150 Kap. VII. Die sociale Mechanik. 1. Der Lohn.
würden wir es schmutzig finden. Warum? Der Einelebt von diesen Dienstleistungen, sie gehören für ihn zuseiner Berufsarbeit, der Andere nicht. Der Lohn fürdie Berufsarbeit ist in den Augen der Gesellschaft einAequivalent nicht sowohl für die einzelne Dienstleistung,als für die mittelst des Berufes der Gesellschaft gegen-über übernommene Pflichlslellung — nur wer »für«die Arbeit lebt, soll »von« der Arbeil leben.
Wer einen bestimmten Erwerbszweig ergreift, dererklärt dadurch öffentlich seine Fähigkeit und Geneigtheitzu allen damit verbundenen Dienstleistungen, er ertheilldamit dem Publikum die Versicherung, dass Jeder auf ihnzählen könne, und räumt Jedem die Befugniss ein, ihn inAnspruch zu nehmen. Besitzt er nicht die Fähigkeit, soist er ein Pfuscher, ein solcher, der nicht, zum Berufgehört, und den eine verständige Socialpolitik sowohl imInteresse des Geschäfts als des Publikums fern zu hallengebietet.*) Für seine Bereitwilligkeit bürgt zwar regel-mässig sein eigenes Interesse und der Sporn der Concur-renz, aber beide Motive können einmal versagen; wiedann? Darf er den Mann, der seiner Dienste bedarf, ausBequemlichkeit oder aus Laune zurückweisen? der Gast-wirth den Fremden, der Krämer, Bäcker, Schlächter den
*) Darauf zielte die ehemalige Zunftverfassung (das Meisterstückbei den Handwerkern). Denselben-Zweck hat in der Gegenwart dieStaatsprüfung bei Advocaten, Notaren, Aerzten , Apothekern , Heb-ammen, Lehrern für Privatanstalten u. a. o^iw^ °—4 w"w<v >. ßt-