Druckschrift 
1 (1877)
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

Der Grundsatz der Enlgeltlichkeit. Gelten, Vergelten, Entgelten. 123

Der Egoismus im Verkehr ist aber gleichbedeutendmit dem Grundsatz der Entgeltliehkeit.

2. Der Grundsatz der Enlgeltlichkeit.

»Wie Du mir, so ich Dir« es gibt keinen Satz, soplatt; trivial und öde und doch zugleich von einer solchenTiefe und unendlichen Weile des Inhalts wie dieser.

Ausfluss und Losungswort des Egoismus und in seinerniedersten Erscheinungsform : der Vergeltung des Uebelnmit Uebeln (Rache) dem Menschen mit dem Tliier gemein,treibt der Gedanke der Vergeltung, je weiter er sich in derMenschcnwell versucht und verwirklicht, immer höhereTriebe, bis er endlich. hinausgewachsen über die Regionder menschlichen Dinge, in der Idee einer göttlichen Ver-geltung und Gerechtigkeit seinen höchsten Abschluss er-reicht. Versuchen wir an der Hand der Sprache uns desInhalts, den der Gedanke des Enlgellens und Vergebensin sich schliessl, zu bemächtigen. »Gelten« drückt Werth-gleichheil aus und zwar in der ursprünglichen heutzutagenur in den Compositis »Entgelten« »Vergellen« er-haltenen transitiven Bedeutung das Gewähren, in der in-transitiven das Dasein derselben, daher »Geld« (früherGelt) d. i. das werlhgleiche (intransitiv) und das den Werlhausgleichende (transitiv). Die älteste historisch vcrfolgbaresprachliche Anwendung des Ausdrucks (geltan, kellan,gildan) gehl auf den heidnischen Gottesdienst zurück(J. Grimm, Mythologie S. 3i), mit dem Dankopfer »galt«