Gegensatz der körperlichen und geistigen Arbeit in tlom. 113
geistige Arbeit dagegen gilt nicht als Arbeit, denn siestrengt nicht an, sie macht nicht »mü-de«, sie kostet keine»MU-he«, sie »schafft« nicht, ist kein »Geschäft«, sondernNichtsthun, Vergnügen, sie ist für den, welcher Müsse hat(den Miissiggiingeij, während das Geschäft (negotium)keine Müsse (otium) kennt.*) Mit welchem Recht könnteein Mann einen Lohn von uns begehren, dessen ganzeArbeil für uns nur in Denken bestanden hat, der unsnichts gegeben hat als Worte? Worte kosten kein Geld— wer sie gegeben, dem zahlt man dieselbe Münze zu-rück: Worte — man dankt ihm mit »Gotteslohn!«
Diese Auffassung, wie sie noch heutzutage beim ge-meinen Manne besteht, ist überall die ursprüngliche ge-wesen , und es hat Jahrtausende gekostet bis der Geistauf dem Gebiete des Verkehrs den Körper eingeholt unddann allerdings weit überholt hat. Im alten Rom hattesie sich zu der Schärfe zugespitzt, dass es sogar für un-ehrenhaft galt, sich geistige Arbeit bezahlen zu lassen.Nur die Arbeit der Hände ward bezahlt, aber eben darumauch verachtet. Denn der Lohn (merces) stellt sie derWaare (merx) gleich, sie wird ausgeboten (locatur)**)
Beachtenswerth der sprachliche Zusammenhang der Arbeit mit demSchaffen und dem Vermögen. 1) im Lateinischen: opera, opus, opes,c-opia ; 2) im Deutschen: Arbeit und Erbe (arb, arbi, arpi, und mitUmsetzung im Slavischen rab-ota, polnisch : robota = Arbeit — arbja,arbi, arpi, erbi = das und der Erbe, d. i. Vermögen). EbensoDienen und Verdienen.
*) Negotium = nec-otium; Festus: negotium, quod non Sit otium.**) Das »Ausstellen« ist gleichbedeutend mit öffentlichemv. Jhering, Ber Zweck im Recht. g