Gefälligkeit und Wohlthäligkeit. 111
handensein derselben ist doch stets noch der Spielraumderselben inhaltlich ein so eng umgränzler, dass die Un-möglichkeit, irgend einen Verkehrszweck statt auf denEgoismus (Lohn) auf die Selbslverläugnung (Gefälligkeit) zugründen, auf offener Hand liegt.
Ich bin genölhigt, mir hier selber einen Einwand zumachen. Die aufgestellte Theorie — so lautet er — istentlehnt der Betrachtung unseres heutigen Lebens, sietrifft zu für die Entwicklungsstufe des Verkehrswesens inder Gegenwart, heutzutage hat das Geld die Gefälligkeitfür den Verkehr gänzlich aus dem Felde geschlagen, aberso war es nicht immer, es gab Zeilen, wo man Leistun-gen, die man heutzutage nur um Geld bekommt, umsonsterhielt, und zwar nicht etwa bloss bei Vorhandensein be-sonderer persönlicher Beziehungen, sondern schlechthinund unbeschränkt, wo also die Gefäll igkeit in der Thateinen Factor des Verkehrslebens bildete, eineVer-kehrsfunclion ausübte. Aehnliche Zustände wieder-holen sich noch jetzt bei uncivilisirten Völkern und ineiner bestimmten Richtung, nämlich in Bezug auf dieGastfreundschaft, in menschenarmen Gegenden selbst beicivilisirlen Völkern.
* Der Einwand ist ein vollkommen richtiger, und ichhalte es nicht für verlorene Mühe, mich länger bei ihmzu verweilen, da er ganz geeignet ist, die Einsicht indas Verkehrsleben zu fördern. Zu dem Zweck aber wirdes rathsam sein, uns den Zustand der Gesellschaft, auf