110 Kap. VII. Die sociale Mechanik. 4. Der Lohn. — Unentgeltlichkeil.
werfenden Urtheil, das die Sprache damit ausspricht, liegtschon die Unbrauchbarkeit dieser Art der Hülfe für dieZwecke des Verkehrs. Eine Aushülfe, die mit einer De-müthigung der Person erkauft werden muss, ist geradedas Gegentheil von dem, was, wie wir später sehen wer-den , das höchste und schönste Ziel des Verkehrs bildet:die Unabhängigkeit der Person. Diese Demülhigung fälltzwar hinweg bei der Bitte, aber die Bitte hat einensehr engen Spielraum, sowohl in sachlicher als persön-licher Beziehung, man kann nicht um alles bitten, —es gibt einen Punkt, wo das Bitten in Betteln übergeht —und man kann nicht Jeden bitten, wenn nicht etwa derInhalt der Bitte sich nur auf solche Gefälligkeiten be-schränkt, die Jeder ohne die mindeste Anstrengung er-füllen kann : die Gefälligkeiten der Strasse, Bitte um Aus-kunft u. s. w. Sie allein sind von jeder persönlichenVoraussetzung entbunden und stehen insofern auf einerLinie mit den Verkehrsleistungen — Jeder darf sie be-gehren und sicher sein, dass sie ihm gewährt werden.Aber das inhaltliche Maass dieser Gefälligkeiten ist ande-rerseits ein so unendlich dürftiges, dass sie gegenüberdem Beichlhum der Zwecke, welche der Verkehr zu be-friedigen hat, in Nichts verschwinden. Ueber dieses Mini-malmaass hinaus ist sowohl die Bitte als die Aussicht aufErfüllung derselben an individuelle persönliche Beziehun-gen (Freundschaft, Nachbarschaft, Bekanntschaft, Abhän-gigkeitsverhältniss u. s. w.) gebunden, und selbst bei Vor-