Der Verkehrszweck und das Wohlwollen. 107
Die einfachste Form der Befriedigung des Bedürfnissesist beim Menschen wie beim Thiere die durch eigeneKraft. Aber während beim Thier Bedürfniss und Kraftsich decken, ist dies beim Menschen nicht der Fall, undeben dieses Missverhällniss, diese Unzulänglichkeil seinereigenen Kraft ist das Mittel, wodurch die Natur ihn zwingtMensch zu sein, d. h. den Menschen zu suchen und inGemeinschaft mit andern die Zwecke zu erreichen, denener allein nicht gewachsen ist. In seinen Bedürfnissen hatsie ihm eine Anweisung auf die Welt und seines gleichengegeben. Untersuchen wir, wie er sich der letzteren fürdie Befriedigung seiner Bedürfnisse bedient.
I) Die Unzulänglichkeit des Wohlwollensfür den Verkehrszweck.
Wohlwollen und Wohlthun ist das »Wollen« und»Thun« des »Wohls« eines Andern um seiner selbstwillen ohne eignen Nutzen, es hat also zu seiner Voraus-setzung die Gesinnung der Uneigcnnützigkcit, Selbstlosig-keit. Dass sich auf dieses Motiv das System des Verkehrsnicht bauen lässt, ist so einleuchtend, dass darüber keinWort verloren zu werden braucht. Aber damit ist nichtausgeschlossen, dass das Wohlwollen nicht dennoch einegewisse, wenn auch beschränkte Function für den Ver-kehrszweck auszuüben vermöchte; sehen wir zu, ob undwie weit dies der Fall ist.
Lautete die Frage: wie weit sich der juristische