Der Begriff der Gesellschaft. 95
Förderung der Zwecke beruht meines Erachlens der Be-griff der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist darnach zu de-finiren als die thalsachliche Organisation des Lebens fürund durch Andere und —, weil der Einzelne das Beste,was er ist, nur durch Andere ist —, darum zugleich alsdie unerlässliche Form des Lebens für sich, sie ist alsoin Wirklichkeil die Form des menschlichen Lebens über-haupt. Menschliches und gesellschaftliches Leben sindgleichbedeutend. Das haben bereits die allen griechischenPhilosophen vollkommen richtig erkannt; es gibt keinenAusspruch, der die gesellschaftliche Bestimmung des Men-schen kürzer und treffender wiedergäbe als die Bezeich-nung desselben als Cuiov tioAiti-/.ov d. h. gesellschaft-liches Wesen. Die Stadt (iroXic) d. i. das städtische Lebenmit der unausgesetzten gegenseitigen Berührung und Fric-tion ist die Bedingung und die Erzeugerin jeglicher Cul-tur, nicht etwa bloss der politischen, woran man bei demgriechischen Wort zunächst geneigt ist zu denken, son-dern aller und jeder: der intellektuellen, ethischen, öko-nomischen, künsllerischen, kurz: der gesammten Entwick-lung des Volks. Erst die Gesellschaft macht unserenobigen (S. 72) Satz wahr: die Welt ist für mich da, in-dem sie mir in der Gemeinschaft, die sie begründet, dieWelt stellt, deren ich bedarf. Aber sie kann es nur mit-telst der Antithese: Du bist für die Welt da, sie hat anDir ganz dasselbe Anrecht, wie Du an ihr. Das Maass,in dem der erste der beiden Sätze sich im Leben des