Das Dasein für Andere; die Völker. 91
Und auch bei ihnen beschränkt sich die Einwirkung,welche sie auf Andere ausüben, nicht bloss auf ihre Le-benszeit, sondern je nach dem, was sie gewesen sind undgeleistet haben, erstreckt sie sich auf die fernsten Zeiten.Die Kunst, Literatur und Philosophie der Griechen, dasRecht der Römer bildet noch bis auf den heutigen Tageine unerschöpfliche Quelle unserer Rildung. Die Musterdes Schönen, Edlen, Gewaltigen, die sie uns in ihrenKunstwerken, Gedanken, Thalcn , Männern hinterlassenhaben, treiben auf empfänglichem Roden noch täglich neueSaat. Alle Gulturvölker der Welt haben an unserer heu-tigen Cultur mitgearbeitet — ; könnten wir unsere heutigeGultur in ihre Elemente auflösen, bis in ihre ersten Ur-sprünge zurückverfolgen, wir bekämen eine ganze Völker-tafel und auf ihr Namen von Völkern, welche gänzlichder Vergessenheit anheimgefallen sind.
Um diese Ueberzeugung in uns zu begründen, dazugenügt schon der Stand der heutigen erst in den Anfän-gen zu einer Culturgeschichle der Menschheit begriffenenForschung; der Zukunft wird auf diesem Gebiete nocheine grosse Ausbeute bevorstehen. Für unseren Zweckreicht das, was wir bis jetzt wissen, und was wir täglichvor Augen haben, vollkommen aus, um darauf die Re-hauptung zu gründen, dass der Satz: »Jeder ist für dieWelt da« für die Völker ganz dieselbe Geltung hat wiefür die Individuen, und dass wir in ihm das oberste Gul-turgesetz der Geschichte besitzen. Die Gulturent-