Das Dasein für Andere. 85
gleich der Welt wegen da, jeder Mensch arbeitet an sei-ner, wenn "auch noch so cngbcgränzlen Stelle mit an deinCullurzweck der Menschheit. Und wäre er der geringsteArbeiter, er beiheiligt sich an einer ihrer Aufgaben, undarbeitete er gar nicht, er arbeilet mit, indem er spricht,denn damit allein schon erhält er den überlieferten Sprach-schatz lebendig und gibt ihn weiter. Ich kann mir keinMcnschendascin denken, so arm, so inhaltslos, so enge,so elend, das nicht einem anderen Dasein zu gute käme;nicht selten hat selbst ein solches für die Welt die reichsteFrucht getragen. Die Wiege des grösslen Mannes standoft in der ärmsten Hütte; das Weib, das ihm das Da-sein gegeben, das ihn gesäugt und gepflegt hat, hat derMenschheit einen grösseren Dienst geleistet als mancherKönig auf seinem Thron. Was kann ein Kind dem Kindesein"? Oft mehr als Eltern und Lehrer zusammengenom-men. Im Spiel mit seinen Genossen lernt das Kind fürdas praktische Leben mitunter mehr und Besseres als ausden »Lehren der Weisheit und Tugend«. Am Spielballseines Kameraden, den es sich anzueignen versucht, machtes die erste praktische Bekanntschaft mit dem Eigen-thumsbegritr, und der abschreckende Eindruck der Un-tugenden seiner Kameraden predigt ihm die erste Moral.
Niemand ist für sich allein da, so wenig wie durchsich allein, sondern Jeder ist, wie durch Andere, so zu-gleich für Andere da, einerlei, ob mit oder ohne Altsicht.Wie der Körper, der die Wärme, die er von aussen auf-