Systematik der menschlichen Zwecke. 65
egoistische. Von ihnen verdienen aber für die Zweckeunserer Untersuchung Hervorhebung nur drei, die ichunter dem gemeinsamen Namen der individuellen oderegoistischen Selbstbehauptung zusammenfasse undnach den drei Richtungen, wie sich der Zweck der Selbst-behauptung bei ihnen verwirklicht, bezeichne als phy-sische, ökonomische, rechtliche Selbstbehauptung.Den Ausdruck der Selbsterhaltung habe ich dafürvermieden, da er von der Sprache eine ausschliesslicheBeziehung auf die erstgenannte Art erhalten hat.
Die Zwecke der zweiten Art: des Gemeinschaftslebens,welche auch die Aufgabe des Staats in sich schliessen, be-zeichne ich als sociale. Das Interesse, das sie uns dar-bieten, liegt nicht in ihnen selber, sondern lediglich inder Art, wie die Gesellschaft und der Staat das Indivi-duum zur Mitwirkung an ihrer Verwirklichung heranziehen.Die Thätigkeit des Individuums für diese Zwecke der Ge-sellschaft wird passend mit dem Ausdruck social bezeich-net. Die Triebfedern, welche dieses sociale Handeln desIndividuums bewirken, sind doppelter Art. Die erste istder uns bereits bekannte Egoismus; die Mittel, durchwelche der Staat und die Gesellschaft sich seiner bemei-slern, sind Lohn und Strafe. Die zweite Triebfeder istdiejenige, welche die Lösung unseres obigen Problems derSelbstverleugnung in'sich schliesst. Sie ist das Gefühl desSubjects von der ethischen Bestimmung seines Daseinsd. h. davon, dass ihm letzteres nicht bloss für sich, son-
v. Jhering, Der Zweck im Eeclit. 5