60 K ;| P- IV. Das Problem der Selbstverlaugnung.
verläugnung für sich will, ist bloss das Gefühl, einemAndern in der Noth geholfen, ihm einen Dienst erwiesen,eine Freude gemacht zu haben, es ist der Reflex desfremden Glückes, der fremden Freude in eigner Seele.Es ist ein Minimum des Anlheils, mit dem er sich be-gnügt, und eben in dieser vollendeten Anspruchslosigkeitliegt das Schöne und Hohe der Selbstverlaugnung. Nichtdie blosse innere Befriedigung über die eigne gute Thalist es, die der Handelnde erstrebt, — das ist die blossekühle Pflichtstimmung ohne Wärme des Herzens — son-dern es ist wesentlich mit die Befriedigung über den Er-folg derselben in der Person des Andern, die Freude anfremdem Glück.
Also doch ein Lohn! wird der Egoist ausrufen, mit-hin ebenfalls Egoismus! Er versuche es einmal damit,ob er seine Rechnung dabei finde! Der Lohn, der demHelden zu Theil wird, der sich, um das Kriegsschiff oderdas Fort nicht in Feindeshand fallen zu lassen, mit dem-selben in die Luft sprengt, dürfte wenig Verlockendes fürihn haben; einige Minuten oder Secunden der inneren Be-friedigung bezahlt mit dem ganzen Leben — — in Wahr-heit ein theuer erkauftes Vergnügen! Preis und Gewinnstehen dabei in demselben Verhältniss, als wenn Jemand,um sich zu wärmen, den Ofen mit Wertpapieren heizenwollte. Der Egoismus rechnet besser, die Selbstverlaug-nung ist ein Luxus, den er sich nicht verstauet, und dener im Grunde seines Herzens, wo er ihn bei Andern trifft.