Druckschrift 
1 (1877)
Entstehung
Seite
57
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Kategorischer Imperativ von Kant. 57

soll das einzige Motiv sein. Alles das, damit der katego-rische Imperativ in seiner ganzen Herrlichkeil offenbarwerde und alles ganz allein mache!

Wenn er es nur könnte! *) Aber man dürfte eben sogut hoffen, einen Lastwagen aus der Stelle zu schaffenmittelst einer Vorlesung über die Theorie der Bewegungals den menschlichen Willen vermittelst des kategorischenImperativs. Der gleitet spurlos an ihm ab! Wäre derWille eine logische Potenz, so würde er dem Begriffs-zwang nachgeben müssen, aber er ist ein sehr realesWesen, das man mit Begriffsentwicklungen eben so wenigaus der Stelle bringt wie den Lastwagen; es gehört einrealer Druck dazu. Dieser reale Drucker aber ist das In-tercsse.

Untersuchen wir, ob dies sich bei der Sclbstverläug-nung anders verhält, ob der Wille, wie Kant es ihm zu-mulhet, sich hier ohne alles und jedes Interesse in Be-wegung zu setzen vermag.

Für meine Kinder bringe ich Opfer, für meine Freunde,für einen gemeinnützigen Zweck, aber nicht für den Schachvon Persien, nicht für einen Tempelbau in Indien. MeineSelbstverleugnung fährt also doch nicht so blindlings insGeschirr, dass ihr jeder Zweck recht wäre, sie übt Kritik,

*) Kant selber hat so wenig Vertrauen dazu, dass er (S. 97) zu-gestellt: »die menschliehe Vernunft sei gänzlich unvermögend zu er-klären, wie reine Vernunft ohne andere Triebfedern . . . für sichselbst praktisch sein könne.«