30 Kap. II. Der Zweckbcgriff beim Thicr.
Erfahrung, dass das Wasser tauglich ist, seinen Durst zulöschen. Indem es sein Begehrungsvermögen auf das Was-ser richtet, setzt es damit eine praktische Beziehung zwi-schen sich und dem Wasser, und dies isl das dritte Mo-ment beim Willensvorgange: die Zweck- oder Selbst-beziehung. Diese Beziehung aber äussert sich im Thierin Form des Gefühls der eigenen Abhängigkeit vom Was-ser, seiner Bedingtheil durch dasselbe. Es ist dasselbeMoment, das wir seiner Zeit (Kap. 10) beim Menschen alsInteresse wiederfinden werden.
Die Zweckbeziehung vermittelt den Uebergang vomGrunde des Willens zum Zweck. Goncrel ausgedrückt:das Unbehagen des Thieres (der Grund der Willensbewe-gung) ruft in ihm das Verlangen nach Aufhebung dessel-ben hervor (erster Ansatz des Zwecks). Im Wasser er-kennt es das Mittel, diesen Zweck zu erreichen (Zweck-beziehung) ; dadurch gewinnt also das bisher unbestimmteWollen eine bestimmte Bichlung. Der Ausdruck für deninnern Zustand des Subjecls in diesem Stadium des Wil-len sprocess.es ist das Gefühl der Abhängigkeil.
Nachdem das Thier das Wasser zu sich genommenhat, isl der Zweck erreicht, d. h. sein Abhängigkeitsver-hältniss zu demselben hat aufgehört. Aber es hat nichtbloss aufgehört, sondern es ist in sein Gegentheil umge-schlagen. Das Wasser, welches bisher über das ThierMacht hatte, dasselbe bestimmte, ist nunmehr in die Machtdes Thieres gekommen, es isl das von ihm Bestimmte,