Notwendigkeit eines Zweckes — Der Grund. 15
des Motivs einer Handlung nicht der Partikel: weil (quia),welche den Grund, sondern nur der Partikeln: um, dass.damit [ut), welche den Zweck ausdrücken, bedienen; derSprachgebrauch aller Völker aber bedient sich gleichmässigbeider Partikeln.
Prüfen wir, wie es sich mit diesem »Weil« in Wirk-lichkeit verhält. Wenn Jemand sagt: ich trinke, weilich Durst habe, so ist das für Jeden durchaus verständ-lich. Wenn er sagen würde: weil es gestern geregnethat, so würde ihn Niemand verstehen. Warum nicht?Weil zwischen dem »Weil« und dem Trinken gar keinZusammenhang abzusehen wäre. Ein solcher Zusammenhangaber wird durch das »Weil« nur da hergestellt, wo sichein »Um« hinter ihm verbirgt. Der Grund bei der Hand-lung ist nur eine andere Ausdrucksform des Zwecks;wo er dies nicht ist, liegt keine Handlung, sondern ein Er-eigniss vor. »Er ist vom Thurm gesprungen, weil ersiehdas Leben nehmen wollte« — hier ist das »Weil« ein»Um«; »er hat das Leben verloren, weil er vom Thurmgefallen ist« — hier ist das »Weil« ein wirkliches »Weil«;dort liegt eine Handlung vor, hier ein Ereigniss.
Aber warum bedienen wir uns des »Weils« statt des»Ums«. Wir thun es vorzugsweise da, wo der Handelndenicht die völlige Freiheil des Entschlusses besass, sondernwo für ihn irgend eine Nöthigung, sei es physischer, seies rechtlicher, moralischer oder socialer Art, bestand. Wodies nicht der Fall ist, theilen wir entweder, wenn über