Inneres Stadium des Willensprocesses. 11
Indem wir uns jetzt dem menschlichen Willen zuwen-den , beschränken wir unsere Aufgabe in diesem Kapitellediglich auf den Nachweis des Zweckgesetzes oder desSalzes: kein Wollen ohne Zweck. Negativ ausge-drückt heisst das: das Wollen, der innere Process derBildung des Willens steht nicht unter dem Causalitälsgc-sctz, der bewegende Grund für ihn ist nicht die Ur-sache, sondernder Zweck. Aber die Verwirklichungdes Willens, seine Erscheinung in der Sinnenwelt falltunter das Causalilätsgesetz. Jenes Stadium des Willenswerden wir das innere, dieses das äussere nennenkönnen.
Das innere Stadium beginnt mit einem Akt des Vor-slellungsvermögens. In der Seele taucht ein Bild, eineVorstellung von einem künftigen möglichen Zustande auf,welcher dem Subjecl eine grössere Befriedigung versprichtals derjenige, in dem es sich augenblicklich befindet.Der Grund, warum es auftaucht, liegt theils im Subjeclselber, in seiner Individualität, seinem Characler, seinenGrundsätzen, seiner Lebensanschauung, theils aber inäusseren Einflüssen. Dass in der Seele des Verbrechersder Gedanke der bösen That auftaucht, hat ihn selber mitseiner Verbrechernatur zur Voraussetzung; in der Seele'des Guten erhebt sich ein solcher Gedanke nicht. Ebensoverhält es sich mit der Vorstellung einer guten That, diein der Seele des Letzleren entsteht; bei Ersterem wäresie nicht möglich gewesen. Die Möglichkeit der ersten