Der Wille und das Leben. 9
Wenn die Püanzc die Verletzung ihrer selbst ebensoschmerzhaft empfände wie das Thier, so würde sie da-durch noch nicht ihm gleich. Sondern das thierischeLeben, wie die Natur es nun einmal gedacht und gestal-tet hat, ist die Behauptung der Existenz aus eige-ner Kraft (volo, nicht cogüo, ergo sum), Leben ist prak-tische Zweckbeziehung der Aussenwelt auf daseigene Dasein. Die ganze Ausstattung des lebendenWesens: Empfindung, Verstand, Gedächtniss hat bloss denSinn, das lebende Wesen dabei zu unterstützen. Verstandund Empfindung allein würden es nicht vermögen, wennnicht das Gedächtniss hinzukäme; erst das Gedächtnisssammelt und sichert in der Erfahrung die Frucht beider,um sie für die Zwecke des Daseins zu verwenden.
So wenig wie das Leben, so wenig ist der Wille andas Selbstbewusstsein geknüpft, und wer den innigen Zu-sammenhang, der zwischen beiden herrscht, begriffen hat,der wird die Ansicht, welche dem Wollen des Thiereswegen des mangelnden Selbslbewusstseins den Namen desWillens versagt und ihn ausschliesslich dem menschlichenvindicirt, anstatt für eine tiefe, wofür sie selber sich aus-geben möchte, für eine recht oberflächliche und befangenehallen. Die entscheidenden Züge des menschlichen Wil-lens mit Ausnahme des Selbstbewusstseins, welches auchbeim Menschen dauernd oder vorübergehend fehlen oderausser Anwendung treten kann, wiederholen sich, wie wirspäter sehen werden, auch beim Thiere, Und selbst das