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nennen. Er hat nicht den Kraftüberschuss,der den anderen seine Lebensform auf-drängt ; er organisiert nicht die fluktuierendeMenge und schneidet nicht sein Bild in dasErz der „Ewigkeit". Und doch lebt er eintieferes Leben, lebt mehr im Ewigen undjenseits von „Meinungen" und „Aufgaben"und dem Streit des Tages als die Partei-leute und Heerrufer. Er lebt der Naturund der Erde näher und weiss, dass ingrossen Momenten alle Phrasen, Bedürfnisse,Strebungen von uns abfallen und nichts vonuns übrig bleibt, als die arme, zitternde,verlassene Menschenseele, die nach Wärmedrängt und nach Frieden, die lieben willund sterben. Diese Rückkehr zum Vegeta-tiven, dieses Aufgeben der Persönlichkeit,dieser Verzicht auf den Kampf — das hoheLied des Quietismus — es ist das letzteWort der Dekadenz — der Dekadenz alseines Untergehenden. Doch auch darin istnicht ewiger Tod. Dekadenz bedeutet nichtbloss Niedergang, es ist auch Auflösung.Auflösung durch Überentwickelung, Zerfalldurch Verfeinerung. Sie kann eine Krank-heit sein durch Hypertrophie edler Säfte,ein Siechen an zu viel Schönheit. Es giebtprachtvolle Dekadenzen, fruchtbare Deka-denzen, in denen das Neue geboren wird.Schumann und Wagner, Gustave Moreau