- 63 -
— Beweis dafür, dass in Norwegen ArneGarborg ganz unbeeinflusst von Drachmannseine „Müden Seelen" und „Kolbotnbriefe"auch in rein lyrischer Form schrieb, undseither alle, alle, bis auf Peter Nansen undWilhelm Krag herab desgleichen thun. DieseForm, bei der die Welt der Dinge gleich-sam wegfällt und Seele nur zur Seele spricht,innig, tief und schlicht, hat Sigbjörn Obst-felder in seiner ergreifenden Novelle „DasKreuz" verwendet. Die Worte sind drin spar-sam und mit Bedacht gesetzt, doch es ist, alsläge in jedem eine Welt von Schmerz. Es istdarin eine geradezu russische Innigkeit undWeiche des Styls, dass man meint, es ent-halte alles Leid, das der Mensch je erlitten,und alles Leid, das er jemals überwundenhat. So viel Gewalt hat Obstfelder einemindividuellen Schicksal gegeben; wir meinenalle, darin das unsere mitzuerleben und dannzur Ruhe zu kommen wie sein Held. DieseRuhe ist die Nirwanaruhe, die Ruhe desÜberwundenhabens, wie sie Thomas Kragin seinen Werken, von „Jon Greff", durch„Die Kupferschlange" bis zu „Ada Wilde"und „Ulf Ran" herab zum Zielpunkt nimmt
— ein Fertigsein, nichts mehr Verlangen undWollen — Quietismus. Eigentlich der Gegen-pol jener aktiven Ruhe, der behaglichen