288
herrschte sie keinen Fluss, keine wichtige Strasse, stand auchkeiner feindlichen Veste drohend gegenüber. Höchstens alsGrenzveste konnte sie für das Bisthum von Wichtigkeit sein.
Bischof Udo hatte in seinem Neffen, dem einzigen im welt-lichen Stande lebenden Sohne seines in Baiern mächtigen Vatersund Erben der Beinhäuser Güter, soweit diese nicht an dieKirche gekommen waren, eine kräftige Stütze seines Ansehensgewonnen, und zumeist wohl aus diesem Grunde ihn mit derWinzenburg belehnt. Wann dies geschah, ist nicht zu erweisen;da aber die Spuren seines ersten Erscheinens in Sachsen bis indas zur Neige gehende 11. Jahrhundert zurückreichen, so magdie Belehnung in die ersten Jahre des folgenden Säculums fallen.
Bis zur Katastrophe des Jahres 1130 sind wir ohne Nach-richt über die Burg 1 ). Ihr Besitzer, Graf Hermann L, hattesich durch seinen Hass so weit hinreissen lassen, seinen Vasallen,den Grafen Burchard (d. Ä.) von Loccum, den Freund und Bath-geber des Königs, hinterlistig ermorden zu lassen. Die That,welche im Jahre 1130 geschah, hatte zur Folge, dass der GrafHermann seiner sämmtlichen Lehen und Würden entsetzt undgeächtet wurde. Seine Burg wurde belagert und Hermann ge-zwungen, sich am 31. December d. J. in Goslar dem Könige aus-zuliefern, der ihn in die Gefangenschaft führen und die Winzen-burg zu Anfang des folgenden Jahres von Grund aus zerstörenHess. So fiel sie an den Lehnsherrn, den Bischof Bernhard I.von Hildesheim, zurück, der vom König Lothar III. die Erlaub-niss zum Wiederaufbau derselben behuf des Schutzes seinerKirche erwirkte.
Seit der Wiedererwerbung der Burg — oder richtiger desPlatzes, wo sie gestanden — war die Hildesheimische Kircheunablässig bemüht, sich gegen den Verlust dieses wichtigen Be-sitzes zu sichern. Die Möglichkeit, dass das gegen Hermann I. er-gangene Straferkenntniss durch Begnadigung oder Restitutionaufgehoben werden konnte, bewog den Bischof Bernhard I., vomPapst Innocenz U. ein vom 25. November zwischen 1133 und1136 aus Pisa datiertes Schreiben zu erwirken, durch welchesihm und seinen Nachfolgern jede Veräusserung der Burg unter-
*) Wo im Folgenden keine Belegstellen angegeben aind, beziehe ichmich auf früher in den Lebensbeschreibungen schon Gesagtes.