Viertes Capitel.
Die angebliche Descendenz des Grafen HeinrichVon Winzenburg und die Grafen von Assel.
Die Historiker aller Zeiten, welche die Geschichte desWinzenburger Geschlechts im Ganzen oder in einzelnen Theilenzum Gegenstande der Untersuchung machten, haben ohne Aus-nahme einen Grafen Otto von Asleburg, welcher zehn Jahrenach dem Tode des letzten weltlichen Grafen von Winzenburgzuerst im Jahre 1162 unter den Zeugen einer Urkunde HerzogsHeinrich des Löwen erscheint 1 ), und ferner noch bis nach 1170in Urkunden und Chroniken als comes de Asle oder Assela vor-kommt, dem Geschlechte der Grafen von Winzenburg beigezählt.Weil — so folgerten sie — Graf Heinrich, der Bruder des er-mordeten und letzten Grafen Hermann II. v. W., in Urkundenmehrfach comes de Asle, Assele oder Asleburch genannt wird,so muss Graf Otto, obgleich keine urkundliche Quelle weder ihn,noch seine Schwestern (s. Stammtafel II) als Kinder Heinrichsnennt, doch dessen Sohn gewesen sein. In dieser falschen, vonzufällig zutreffenden Zeit- und Ortsverhältnissen unterstützten An-sicht Hessen sich die Geschichtschreiber der Winzenburger auchnicht durch die ihnen anderweit bekannte Thatsache beirren,dass über das Erbe des letzten Grafen von Winzenburg einlanger und blutiger Streit zwischen dem Herzog Heinrich demLöwen und dem Markgrafen Albrecht dem Bären entbrannt war,
>) Hasse, Schleswig-Holstein-Lauenb. Eegg. u. Urkk. I, 52, Nr. 108;Urkb. d. St. Lübeck I, 3, Nr. 2; v. Bocholtz-A., Asseb. Urkb. I, 125, Note 5;Mecklenb. Urkb. I, 69, Nr. 74; v. Hoclenberg, Lüneb. Urkb. VII (Kl. Michaelis)17, Nr. 20 a.