Vorwort
Meine Vorliebe für die ehrwürdigen Ueberreste des Alter-tliums und die aus früheren Studien geschöpfte Ueberzeugung,dass die Bedeutung der alten Dynasten von Winzenburg undihre Beziehungen zu den grossen Geschlechtern Niedersachsensbisher nur sehr unvollkommen erkannt und gewürdigt sind,leitete mich vor nunmehr sechs Jahren auf den Gedanken, diedunkle Geschichte dieses Grafenhauses sowohl in ihren lokalen,wie in ihren allgemeineren Verhältnissen einer neuen Bearbeitungzu unterwerfen und die Resultate meiner Forschungen und An-sichten, so mangelhaft sie auch ausfallen möchten, den Freundender speziellen Geschichte Niedersachsens vorzulegen, und zwarim engen Zusammenhange mit der Geschichte des DeutschenReiches und einzelner Territorien desselben, auf deren Geschickeunser Geschlecht nicht ohne Bedeutung erscheint. Ich habediesen Plan nunmehr verwirklicht, nicht aus eitlem Selbst-vertrauen auf meine Fähigkeit, deren Schwäche ich lebhaft fühle,sondern im Vertrauen auf die Nachsicht meiner Leser, die ichbitte, keine höhere Forderung an meine Arbeit zu stellen, alssie ein Dilettant zu geben vermag, der keinen Anspruch aufGelehrsamkeit machen kann.
Eine Geschichte der Grafen von Winzenburg zu schreiben,wurde seit fast einem Jahrhundert mehrfach versucht, sodasswir eine ziemliche Anzahl grösserer und kleinerer Arbeiten be-sitzen, welche zwar als Vorarbeiten nicht ganz ohne Werthsind, nach dem Stande des damals noch in geringem Maassepublizierten urkundlichen Materials aber unseren Gegenstand sounkritisch und ungenau behandeln, dass sie den Anforderungen,