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Geschichte der Grafen von Winzenburg
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Vergessenheit gerathen war, die Erinnerung an die Grafen vonWinzenburg aber noch fortlebte, den Grafen Ricdag von Asselin einen Ahnherrn aus dem Hause Winzenburg verwandelte, un-bekümmert um die geschichtliche Thatsache, dass die Grafenvon Winzenburg erst über 200 Jahre später sich in Sachsenniederliessen. Noch im Jahre 1693 war diese Tradition bei denenglischen Benediktinern, welche seit 1643 den Nonnen in Lam-springe gefolgt waren, so lebendig, dass sie auf der GrabstätteRicdags in der Krypta der Klosterkirche eine Inschrift miteinem Wappen neuester Erfindung anbrachten, worin sie ihn alsillustris ac piissimus comes de Wintzenburg" verherrlichten 1 ).

Dürfen wir sonach als historisch erwiesen annehmen, dassLamspringe seine Gründung den Grafen von Assel verdankt, soist damit die Annahme unvereinbar, dass der Graf Ricdag ausdemselben Geschlechte, welches im Jahre 984 auf der Asleburgangesessen war, von hier aus vor 873 ein Familienkloster grün-dete, welches mehr als drei deutsche Meilen von der Asleburgentfernt lag. Wir werden deshalb den ältesten Stammsitz derGründer von Lamspringe in grösserer Nähe dieses Klosters zusuchen haben. In der Umgegend desselben ist aber keine andereVeste bekannt, welche auf einen solchen zu deuten wäre, als diekaum 5 km von dem Kloster entfernte, später Winzenburg ge-nannte, von der freilich urkundlich nicht nachzuweisen ist, dasssie damals schon bestand. Aber auch vom Gegentheil weiss dieGeschichte nichts, ebensowenig von dem Vorhandensein eineranderen Burg in dieser Gegend, dessen Besitzer die GründungLamspringes zugeschrieben werden könnte, abgesehen von denLudolfingern, die nicht in Frage kommen, weil deren Stammvater,Herzog Ludolf von Sachsen, die Gründung der nachmals so be-rühmten Abtei Gandersheim schon vollendet hatte, als derSchöpfer des nahen Lamspringe sein frommes Werk in An-griff nahm.

Aus diesen Verhältnissen scheint mit grosser Wahrschein-lichkeit hervorzugehen, dass Graf Ricdag von Assel von dem Gipfeldes Berges aus, der später die unter dem Namen Winzenburgbekannte Veste trug, seine Klosterstiftung vollzog, nachdem erauf diesem Berge für sich und seine Nachkommen eine Burg

>) Leuckfeld, A. Gandersh. 285; Mithoff a. a. 0. HI, 193.