Druckschrift 
Geschichte der Grafen von Winzenburg
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

271

Hermann, der mit und ohne seinen Bruder Konrad nach 1123noch oft in Urkunden genannt wird, gewiss einmal als Sohnseines verstorbenen Vaters bezeichnet sein, was niemals geschah.Nachdem sich auf diese Weise die Umwandlung des Rein-häuser comes provincialis (Gaugraf) Hermann III. in seinenNeffen Hermann I. von Winzenburg vollzogen hatte, konnte esnicht ausbleiben, dass alle Grafen dieser Zeit, welche denselbenTitel führten, für Winzenburger angesehen wurden. Ebensomusste man in weiterer Konsequenz dieses Fehlers die Titelcomes provincialis, landgravius und marchio für völlig gleich-bedeutend halten. Das zeigt

2) die Schutz- und Bestätigungsurkunde Heinrichs desLöwen für das Kloster Beinhausen vom 2. Juni 1168 1 ) mit einemHerimannus provincialis comes, der, obgleich er allgemein alsWinzenburger aufgefasst ist, doch kein anderer war, als derobige Graf Hermann HI. von Eeinhausen, der Inhaber des Grafen-amtes im alten Leinegau. Die zahlreichen, in der Urkunde mitihm genannten, dem Beinhäuser Grafenhause angehörenden Schenk-geber lassen darüber keinen Zweifel. Werneburg 2 ) hat die Fäl-schung des Dokuments noch mit weiteren Gründen belegt, übersahaber, dass auch die Indiction falsch ist.

Wie der Titel provincialis comes, kommt auch der einespatriae comes in Verbindung mit einem Herimannus vor, inwelchem man den Winzenburger in seiner Eigenschaft als Land-graf (in Thüringen) anstatt des gemeinten Grafen Hermann III.von Reinhausen, des Amtsgrafen im Leinegau, erkennen zumüssen glaubte. Man hielt sich dazu berechtigt, weil that-sächlich der erste Landgraf von Thüringen, Ludwig I., in denJahren 1137 3 ), 1138 4 ) und 1139 5 ) comes patriae oder comes pa-triae de Thuringia genannt wird. Allein während wir es hiermit echten Urkunden zu thun haben, sind jene gefälscht undirrig auf den Winzenburger bezogen. Zunächst in

3) der Schutzurkunde König Konrads III. für das KlosterBeinhausen vom 16. October 1144 6 ), deren Unechtheit ich bereits

') Or. G. in, 505; Auszug bei Leibniz, SS. r. Br. I, 706. 2 ) a. a.0. 44. 3 ) Zeit- u. Gesch. - Beschreib, v. Göttingen, III, S. (100).*) v. Heinemann, C. d. A. I, 194, Nr. 258. s ) Or. G. IV, 545 Note u. a. 0.mit falschem Jahr 1134; Stumpf, A. M. sec. XII, 23. 6 ) Leibniz a. a. 0. 1,706; v. Heinemann a. a. 0. I, 228, Nr. 307; Posse, C. d. S. r. I, 2, S. 121, Nr. 172.