160stiegen nun auch hinab in die Ebene, legten Bürvenich, bei Zülpich, inAsche und gingen auf Düren vor. Der dort stehende Oberst Jungheim warf sich mit seinen Dragonern ihnen kühn entgegen, mußtejedoch der Uebermacht weichen. Er ließ den mit 400 münsterschenReitern in der Nähe stehenden Obersten von Nagel um Unterstützungbitten; dieser aber rührte sich nicht von der Stelle, unter dem Vor-geben, daß er von seinem Chef, dem General Schwarz, keinen Befehldazu habe. Jungheim mußte sich unter großen Verlusten nach Dürenzurückziehen. Die Franzosen gingen jedoch nicht weiter vor, sondernzogen sich wieder über die Roer zurück, da inzwischen, Ende Juni, dieBrandenburger schon bei Neus eingetroffen waren, unter Führung desGeneral von Spaen. Dieser übernahm jetzt den Oberbefehl, dirigirteseine Regimenter auf Jülich und Düren, und wies auch den GeneralSchwarz an, ſich mit den Münſteranern dort zu concentriren. DieLage war sehr bedenklich geworden, da die Franzosen unter dem Marschall von Luxemburg den in Flandern operirenden Fürsten von Wal-deck am 1. Juli bei Fleurus total geschlagen hatten. Auf dem hiesigenKriegstheater blieb indessen vorläufig noch Ruhe, abgesehen von einzelnenFouragierungen, welche die Franzosen in der Eifel ausführten.Während Johann Wilhelm sich mit diesen militairischen Anord-nungen beschäftigte und mit allen verfügbaren Mitteln an der Com-pletirung seiner Regimenter arbeitete!!) wurde er plötzlich abberufennach Wien, wo sein Vater schwer erkrankt war. Philipp Wilhelmhatte sich nemlich, nach kurzem Aufenthalt in Neuburg, nach Wienbegeben, wo seine Tochter, die Kaiserin, ihrem hohen Gemal am 22.Juli die siebente und jüngste Tochter geboren hatte. Hier erkrankteder alte Herr jedoch so ernstlich, daß er seinen Sohn eiligst zu sichbescheiden ließ. Den 18. August traf Johann Wilhelm in Wien ein,um nur noch vierzehn Tage mit seinem sterbenden Vater zu verkehrenAm 2. September 1690 erlag Philipp Wilhelm seinen Leiden; erstarb in den Armen seiner treuen geliebten Lebensgefährtin, umgebenvon der Mehrzahl seiner Kinder, welche Wien noch hatten erreichenDie Nenburgischen Truppen bestanden jetzt aus 4 Regimentern zu Fuß,à 10 Compagnieen, nemlich: Leibregiment, Regiment Sulzbach, Regimentd'Autel, und Rgt. Lybeck, im Allem 4620 Mann. 2 Regimenter zu Pferd:Leibregiment zu Pferd und Rgt. Blankenburg, endlich 2 Regimenter Dra-goner: Rgt. Graf Vehlen und. Rgt Jungheim, total 3240 Mann, alsoeine Gesammtstärke von 7860 M. Dazu noch Generalstab und Artillerie,so daß wir die Zahl der neuburgischen Trupen auf pr. pr. 9000 M. an-nehmen können. — Standeslisten im Staatsarchiv.
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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160
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