159Inzwischen wurden alle Vorbereitungen getroffen, um bei Wie-dereröffnung des Feldzuges die Truppen zum thätigen Eingreifen inStand zu setzen. Die Kosten für die Rüstwagen und der Bedarf anKnechten und Pferden wurden nach der feststehenden Matrikel aus-geschrieben, 12) und dann die Regimenter in Marsch gesetzt, unter Zurück-lassung starker Garnisonen in Düsseldorf und Jülich. Zwei Regimenterzu Pferde und ein Regiment zu Fuß, in der Stärke von 3469 Mannbezogen ein Lager bei Euskirchen; nach Sinzig marschirte ein Bataillonvon 702 Mann, ein anderes Bataillon in gleicher Stärke nachMünstereifel, in Düren aber stand ein Dragoner-Regiment von 800Mann, von denen indeß erst 500 Mann beritten waren. Die StädteEuskirchen, Münstereifel und Düren wurden zur Vertheidigung ein-gerichtet, um den Truppen feste Anhaltspunkte zu gewähren. 13) MitGenehmigung des Kaisers verlieh Johann Wilhelm dem Feldmarschall-Lieutenant von der Beck, welcher früher in Köln commandirte, denOberbefehl über seine Truppen. Münstersche Regimenter waren ebenfalls herangekommen, und hatten Lager in der Nähe bezogen. DieBrandenburger waren jedoch noch weiter zurück, da sie aus ihrenWinterquartieren weite Märſche zu machen hatten. In dieſen Stel-lungen erwartete man das Vorgehen der Franzosen, dem man täglichentgegensehen konnte.Im Juni vereinigten sich die Generale zu einer Conferenz inKöln, wobei es zu lebhaften Debatten kam. Der General von derBeck, als ältester General, sollte, nach Johann Wilhelms Ansicht, denOberbefehl über sämmtliche hier versammelte neuburgische und mün-stersche Truppen übernehmen. Dem widersetzte sich jedoch der mün-stersche Generallieutenant Schwartz, welcher den Oberbefehl für sichbeanspruchte, da er, als münsterscher General, den Befehl über dieTruppen eines wirklichen, selbstständigen Souverains, des Bischofs vonMünster, führe, während General von der Beck nur die Stelle eineskurprinzlichen Generals bekleide und nur kurprinzliche Truppen unterseinem Befehl habe. Die beim Ausbruche des Krieges so rühmlichhervorgetretene Einigkeit stand bereits auf sehr schwachen Füßen undan ein erfolgreiches Zusammenwirken der Operationen war unterdiesen Umständen nicht zu denken.Als nun die Franzosen ihre Streifzüge in der Eifel wiederholtenund viele Ortschaften brandschatzten, fanden sie wenig Widerstand. Sie2) Original im Staatsarchiv Auszug bei Scotti Nr. 781. 78218) Bei den Landtagsprotokollen finden sich mehrere Beschwerden dieserStädte über Demolirung von Häusern 2c. behufs besserer Vertheidigung.
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten