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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
Entstehung
Seite
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157Punkte zur Sprache, nemlich: die Wahl und Krönung des ältestenSohnes des Kaisers, des Erzherzog Joseph, der schon seit 1687 dieungarische Königskrone trug, zum Römischen König, und die Krönungder deutschen Kaiserin.Ludwig XIV., auf den Zwiespalt der deutschen Fürsten fußendhatte den Plan gefaßt, seinem Sohne, dem Dauphin, die RömischeKönigskrone zuzuwenden, und in der That deshalb schon an verschie-denen deutschen Höfen durch seine Agenten wirken lassen; wer weiß,ob es ihm nicht vielleicht doch gelungen wäre! Um diesem Plane miteinem Schlage zu begegnen, stellte der Kaiser seinen ältesten, zwar nochunmündigen Sohn den Kurfürsten als Candidaten für die RömischeKönigswürde vor, und beantragte am 12. Dezember dessen Wahl. Aberso glatt und einfach, wie er es sich gedacht haben mochte, verlief dieSache doch nicht, denn erst nach fünfzehn Conferenzen hatten die Kur-fürsten sich gegen Mitte Januar 1690 dahin einigen können, ihreStimmen für den Erzherzog Joseph abzugeben. Johann Wilhelmhatte sich im Januar ebenfalls in Augsburg eingefunden, und unter-stützte seinen Vater mit allen Kräften, um Stimmen für den Enkel undNeffen zu werben Die Krönung seiner Schwester, der Kaiserin MariaEleonore, lag ihm nicht minder am Herzen, denn wir wissen ja, daßder splendor seines Hauses bei ihm alle anderen Rücksichten überwogAm 9. Januar 1690 wurde diese Krönung der Kaiserin imDome zu Augsburg vollzogen, mit Entfaltung aller der feierlichenPracht, welche das Ceremoniell vorschrieb. Hierauf schritt man zuder Wahl des Römischen Königs, und, nachdem dieser Akt durch Fest-stellung der Wahlcapitulation mehrere Tage in Anspruch genommen,erfolgte die Proclamation des Erzherzogs Joseph, König von Ungarn,zum Römischen König, dessen Krönung mit gleichen Festlichkeiten am24. Januar vollzogen wurde. Kurfürst Philipp Wilhelm, in seinerReichswürde als Erzschatzmeister, hatte es sich trotz seines hohen Altersnicht versagen können, die ihm zustehende Auswerfung der Krönungs-münze zu Ehren seines Enkels in eigener Person auszuführen. Nachvollendeten Festlichkeiten in Augsburg begaben sich der Kaiser mit derKaiserin und dem ganzen Hofe, wobei die Neuburger als nächsteVerwandte nicht fehlten, nach München, zum Kurfürsten von Bayern,wo ebenfalls glänzende Feste ihrer warteten. Von dort kehrte PhilippWilhelm mit seiner Familie nach Neuburg zurück.Auch die Errichtung einer 9. Kurwürde und Verleihung derselben an denHerzog von Braunschweig=Lüneburg (Hannover) wurde jetzt schon angeregt,aber noch nicht zum Austrage gebracht. Sie erfolgte erst 1692 und riefgroßen Zwiespalt hervor.