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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
Entstehung
Seite
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132persönlich und theilten ihm die Drohungen der Franzosen mit,daßsie mit der Execution vorgehen und mit dem Höchsten, dem Kurprinzenund Landesherrn, den Anfang machen wollten.Nach Ausweis der Protokolle kam bis zum 25. Februar aufdem Landtage nichts von Bedeutung zur Verhandlung. Die Sitzungdieses Tages wurde jedoch sehr bewegt, da es zur Kenntniß der Ständegekommen war, der Fürst habe an die Deputirten und die Beamtenden Befehl ergehen lassen, den Franzosen nichts mehr auszuzahlen undden Eingesessenen aufzugeben, sich zur Wehre zu setzen, wenn etwa zurExecution geschritten werden sollte. In größter Angst und Besorgnißsandten die Stände eine Deputation zum Fürsten und ließen umRücknahme dieser Befehle bitten, von denen sie das größte Unglück fürdas Land befürchteten. In Folge dessen unterblieb für jetzt noch dieBekanntmachung der bereits ausgefertigten Befehle. Wie Johann Wil-helm zu dieser plötzlichen Sinnesänderung gekommen? da er noch kurzvorher durch wiederholte Schreiben die Deputirten gedrängt hatte zumeiligen Abschluß eines Vertrages, und diesen Vertrag auch gutgeheißenhatte; durch welche Veranlassung er aus dem Zustande größter Besorgniß zu diesem Entschlusse energischen Widerstandes gelangte, wird unsein kurzer Blick auf die veränderte politische Situation erklären.Der Krieg an den östlichen Grenzen des Reiches hatte einengünstigen Verlauf genommen. Belgrad, das Hauptbollwerk der Türken,war am 6. September 1688 gefallen und der Sultan führte den Kriegnur mit geschwächter Kraft noch fort. Kaiser Leopold war dadurch indie Lage versetzt, Truppen auf dem östlichen Kriegsschauplatze entbehrenzu können, und hatte viele Regimenter nach Deutschland zurück mar-schiren lassen, um sie den immer weiter um sich greifenden Fortschritten der Franzosen entgegenzuwerfen. Die Kurfürsten von Bran-denburg, von Sachsen und von Bayern, der Herzog von BraunschweigLüneburg, der Landgraf von Hessen=Cassel, der Oberrheinische, derFränkische und der Schwäbische Kreis, hatten Truppen aufgebracht undwaren bereit, dieselben zur Deckung der Grenzen nach dem Rheine inMarsch zu setzen. In England hatte der Erbstatthalter der Nieder-lande, Wilhelm von Oranien, im Januar 1689 die Krone seines ent-flohenen Schwiegervaters, Jacob II. Stuart, aus den Händen desVolkes empfangen und die Regierung angetreten, weshalb Ludwig XIV.an England und Holland den Krieg erklärte. Mit den General-staaten der Vereinigten Niederlande hatte der Kaiser Leopold das frü-here Trutz= und Schutz=Bündniß erneuert. Auch Spanien und Schwe-den erklärten sich gegen Ludwig XIV., so daß dieser ziemlich politischisolirt stand.