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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
Entstehung
Seite
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Das Reich, so meinte er, sei zur Zeit ganz und gar nicht in derVerfassung im Osten und Westen zugleich Krieg zu führen, und derAusgang eines jetzt mit Ludwig XIV. zu unternehmenden Kriegeskönne für Deutschland nur verderblich sein. Zudem waren seinerheinischen Gebietstheile, sowie die der geistlichen Kurfürsten, einemschnellen Angriffe der gerüsteten Franzosen zunächst ausgesetzt undkonnten schwer heimgesucht werden, ehe noch vom Reiche irgend eineHülfe zu erwarten war. Nach den gemachten Erfahrungen konnte eraber auf eine solche Hülfe kein besonderes Vertrauen setzen.Johann Wilhelm, dessen Drängen auf Beschleunigung der noth-wendigen Vorbereitungen zur Rüstung wir oben schon berührthaben, scheint sich dem Verlangen seines kaiserlichen Schwagers ent-schieden hingegeben zu haben, obgleich auch seine Länder, namentlichdas Herzogthum Jülich, in nächster Gefahr schwebten, von den Fran-zosen überfallen zu werden. In diesem Sinne mag er denn vielleichtauch gegen den Münsterschen Abgesandten Herrn von Plettenberg sichvertraulich und zu offen ausgesprochen haben. Dieser hatte aber nichtseiligeres zu thun, als dem am Hofe des Kurfürsten Maximilian Heinrichvon Köln hochangesehenen Biſchof von Straßburg, Franz Egon vonFürſtenberg!) und deſſen Bruder, dem Prinzen Wilhelm Egon vonFürſtenberg, von Allem genaue Mittheilung zu machen, und auch inder Stadt Köln allerhand beunruhigende Gerüchte über die kriegerischenGesinnungen Johann Wilhelms zu verbreiten. Der Freiherr vonNesselrode, ebenfalls in Köln in hohem Ansehen stehend, hatte demalten Herzog Philipp Wilhelm von diesen Indiscretionen des Herrnvon Plettenburg Nachricht gegeben und auch Johann Wilhelm gewarnt.Philipp Wilhelm aber, der von seinem kaiserlichen Schwiegersohne inallen wichtigen politiſchen Angelegenheiten um ſeinen Rath gefragtwurde und auch immer noch als Mentor seines Sohnes auftrat,glaubte auch bei dieser Gelegenheit seine Ansichten aussprechen zu müssen.Unter dem 1. Februar 1682 schreibt nun der alte Herzog anseinen Sohn und ermahnt ihn, bei seinen vertraulichen Unterhaltungen1) Es war dies der alte Bischof von Straßburg, welcher bei dem feierlichenEinzuge in die eroberte Stadt den König Ludwig XIV. an der Spitzedes Domkapitels an den Pforten des Münsters empfing und ihm dabeieine große Rede hielt, deren Text sich auf Ev. Lucas 3, V. 29 und 30bezog:Herr, nun lässest Du Deinen Diener in Frieden fahren, wie Dugesagt hast, denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen. FranzEgon starb schon 1683 und Ludwig XIV. übertrug das Bisthum Straß-burg an dessen Bruder, den Prinzen Wilhelm, den entschiedensten Fran-zosenfreund, den wir später näher kennen lernen werden.