Der Kaiser war nemlich gleichzeitig darauf bedacht gewesen,irgend etwas zu thun, um den dem Reiche drohenden Gefahren kräfti-ger entgegentreten zu können. Seine Besorgniß war um so gerecht-fertigter, als zu den Ereignissen an den westlichen Grenzen sich einim Osten aufziehendes neues Gewitter gesellte, welches die dortigenGrenzen, und alſo zunächſt die kaiſerlichen Erbländer bedrohte. — Eswaren die in Ungarn ausgebrochenen Unruhen unter Tökely, theils auspolitischen, theils aus confessionellen Ursachen entsprungen, welche manauf dem Reichstage zu Oedenburg vergebens zu beschwichtigen gesuchthatte, und der bevorstehende Ablauf des früher mit den Türken ge-schlossenen Waffenstillstandes....Die Erfahrungen der letztverflossenen Feldzüge hatten die Un-zulänglichkeit der Aufbringung eines kampfgerüsteten Reichsheeres imAugenblicke der Gefahr vermittelst des schwerfälligen Apparats derReichs⸗Kriegsverfaſſung zur Genüge dargethan. Leopold I. war des-cht, bei Zeiten dahin zu wirken, im Falle deshalb jetzt darauf bedeweiteren Umsichgreifens der Gefahr eine ansehnliche Kriegsmacht zurVerfügung zu haben. Zu dem Ende ließ er durch seinen Principal-Commissarius, den Bischof von Eichstädt, den Reichsständen zuHeer vonRegensburg einen Vortrag vorlegen, auf welche Weise40,000 Mann (28,000 M zu Fuß, 10,000 M. zu Roß und 2000Dragoner) „alles geworbenen und gutgeübten Volkes“ unverzüglichaufzubringen und damit fortzufahren sei, so lange des Reiches Noth-durft erfordere; wenn dies nicht ausreiche, sollten eventuell noch 20,000Mann hinzugeſetzt werden. Von Mai bis Auguſt verhandelte derReichstag über diesen Vortrag, wobei die verschiedenartigsten Vorschlägeund Projecte zum Vorſchein kamen. Endlich einigte man ſich aberdahin, daß eine neue Reichsmatrikel aufzustellen sei, da die alte Matrikelvom Jahre 1521 jetzt nicht mehr ausreiche, und daß alsdann die Zahlder aufzubringenden Mannschaft auf die zehn Reichskreise repartirtwerden solle. Dieser Beschluß wurde nun als Reichsgutachten fest-gestellt, die Repartition auf die einzelnen Kreise ward entworfen,und nun, nach abermaligem Verlauf von fast einem Monat denKreisdirectorien mitgetheilt, mit der Weisung, die betreffenden Kreis-stände schleunigst zu einem Kreistage zu berufen, um die Gestellungder Mannschaft sobald als möglich zu veranlassen. Vorsichtigerweisewar aber in dem Kaiserlichen Dekret unentschieden gelassen, gegenwelchen Feind dieſe Rüſtung gerichtet ſei. Um Ludwig XIV. nichtzu reizen war darin nur von der Gefahr die Rede, welche von denUngarn und Türken ausgehe, und nur beiläufig und allgemein warerwähnt, daß man sich über eine gewisse Anzahl von Truppen ver-
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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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