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das Ideal ihrer Gattung- vollständig ausdrückten, wenn nichtauch die Gattungen streng und scharf isoliert . . . waren. Abersich willkürlich bald in diese, bald in jene Sphäre versetzen . . .das kann nur ein Geist, der . . . ein ganzes System von Per-sonen in sich enthält und in dessen Innerem das Universumreif . . . ist" 312 ). Also: „Alle klassischen Dichtarten in ihrerstrengen Reinheit sind jetzt lächerlich" 313 ). Und endlich: „Mankann niemand zwingen, die Alten für klassisch zu halten oderfür alt; das hängt zuletzt von Maximen ab" 31 *).
Die Romantiker bestimmen die Relation der Kunstwerkezur Kunst als Unendlichkeit in der Allheit — das heißt: inder Allheit der Werke erfüllt sich die Unendlichkeit der Kunst;Goethe bestimmt sie als Einheit in der Vielheit — das heißt:in der Vielheit der Werke findet sich die Einheit der Kunstimmer wieder. Jene Unendlichkeit ist die der reinen Form,diese Einheit die des reinen Inhalts 315 ). Die Frage des Ver-hältnisses der Goetheschen und romantischen Kunsttheorie fälltalso zusammen mit der Frage nach dem Verhältnis des reinenInhalts zur reinen (und als solcher strengen) Form. In dieseSphäre ist die angesichts des Einzelwerks oft irreführend ge-stellte und dort niemals genau zu lösende Frage nach demVerhältnis von Form und Inhalt zu erheben. Denn diese sindnicht Substrate im empirischen Gebilde, sondern relative Unter-scheidungen an ihm, auf Grund notwendiger reiner Unter-scheidungen der Kunstphilosophie getroffen. Die Idee der Kunstist die Idee ihrer Form, wie ihr Ideal das Ideal ihres In-halts ist. Die systematische Grundfrage der Kunstphilosophieläßt sich also auch als die Frage nach dem Verhältnis von
312 ) A 121. si 3 ) L 60. 31i ) A 143.
315 ) Hier liegt allerdings in dem Terminus „rein" eine Aequi-vokation vor. Er bezeichnet nämlich erstens die methodischeDignität eines Begriffs (wie in „reine Vernunft"), sodann aberkann er eine inhaltlich positive, wenn man will sittlich gefärbteBedeutung haben. An diese beiden Bedeutungen ist im Begriffdes „reinen Inhalts" als des Musischen im obigen gedacht, währenddie absolute Form allein im methodischen Sinne als rein be-zeichnet werden soll. Denn deren sachliche Bestimmung — welcheder Reinheit des Inhalts entspricht — ist vermutlich die Strenge.Dies haben die Romantiker in ihrer Romantheorie, in welcherdie vollkommen reine, nicht aber strenge Form zur absoluten er-hoben wurde (s. o. p. 87), nicht ausgeprägt; auch dies ein Gedanken-kreis, in welchem Hölderlin sie überragte.