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Dieser Gedanke hat jedoch seinerseits zum.letzten Motiv keines-wegs eine Absurdität oder auch nur einen Irrtum; vielmehrhat Schlegel in ihm ein wertvolles und gültiges Motiv lediglichfalsch interpretiert. Dies Motiv war das Bestreben, den Be-griff der Idee der Kunst vor dem Mißverständnis zu bewahren,er sei eine Abstraktion aus den empirisch vorgefundenen Kunst-werken. Er wollte diesen Begriff als eine Idee im platonischenSinn, als ein :np6xspov rij tpösei, als den Realgrund allerempirischen Werke bestimmen, und er beging die alte Ver-mengung von abstrakt und allgemein, wenn er ihn darum zueinem individuellen machen zu müssen glaubte. Nur in dieserAbsicht bezeichnet Schiegel wieder und wieder mit Nachdruckdie Einheit der Kunst, das Kontinuum der Formen selber alsein Werk. Dieses unsichtbare Werk ist es, welches das sicht-bare, von dem er an anderer Stelle spricht (s. o. p. 76), in sich auf-nimmt. Am Studium der griechischen Poesie war Schlegeldiese Konzeption aufgegangen, von dort -hatte er sie auf diePoesie überhaupt übertragen: „Der systematische Winkelmann,der alle Alten gleichsam wie einen Autor las, alles im ganzensah und seine gesamte Kraft auf die Griechen konzentrierte,legte durch die Wahrnehmung der absoluten Verschiedenheit desAntiken und des Modernen den ersten Grund zu einer materi-ellen Altertumslehre. Erst wenn der Standpunkt und die Be-dingungen der absoluten Identität des Antiken und Modernen,die war, ist oder sein wird, gefunden ist, darf man sagen, daßwenigstens der Kontur der Wissenschaft 226 ) fertig sei und nunan die methodische Ausführung gedacht werden könne" 327 )..Alle Gedichte des Altertums schließen sich eins an das andere,bis sich aus immer größern Massen und Gliedern das Ganzebildet. . . Und so ist es wahrlich kein leeres Bild zu sagen: diealte Poesie sei ein einziges unteilbares, vollendetes Gedicht.Warum sollte nicht wieder von neuem werden, was schon ge-wesen ist? Auf eine andere Weise versteht sich. Und warumnicht auf eine schönere, größere? 228 ). „Alle klassischen Gedichteder Alten hängen zusammen, unzertrennlich, bilden ein organi-sches Ganzes sind richtig angesehen nur Ein Gedicht, das ein-zige, in dem die Dichtkunst selbst vollkommen erscheint. Aufeine gleiche Weise sollen in der vollkommenen Literatur alleBücher nur ein Buch sein" 229 ). „So muß das Einzelne der Kunst,wenn es gründlich genommen wird, zum unermeßlichen Ganzen
226 ) sc. der Kunstphilospphie. ~ 7 ) A. 149.2 *8) Jugendschriften II, 358. 229 ) I 95.