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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
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An einer Stelle der Windischmannschen Vorlesungen istnoch der schwache Nachklang- des Gedankens zu vernehmen,der Schlegel zur Athenäumszeit mächtig bewegte und seineTheorie der Kunst bestimmte. „Es gibt .... eine Art desDenkens, die etwas produziert und daher mit dem schöpferischenVermögen, das wir dem Ich der Natur und dem Welt-Ich zu-schreiben, große Aehnlichkeit der Form hat. Das Dichtennämlich; dies erschafft gewissermaßen seinen Stoff selbst" 149 ).An jener Stelle hat der Gedanke keine Bedeutung - mehr. Er istjedoch der klare Ausdruck von Schlegels älterem Standpunkt,daß nämlich die Eeflexion, welche er früher als Kunst dachte,absolut schöpferisch, inhaltlich erfüllt sei. So kannte er dennin der Zeit, auf welche sich diese Untersuchung bezieht, auchnoch nicht jenen Moderantismus im Keflexionsbegriff, dem-zufolge er in den Vorlesungen der Reflexion den sie begrenzen-den Willen gegenüberstellt (s. o. p. 29). Früher kannte er nureine relative, autonome Begrenzung der Reflexion durch sichselbst, die, wie sich ergeben wird, in der Kunsttheorie einewichtige Rolle spielt. Die Schwäche und Gesetztheit des spä-teren Werkes beruht auf der Einschränkung der schöpferischenAllmacht der Reflexion, welche einst für Schlegel in der Kunstsich am deutlichsten offenbart hatte. Mit ähnlicher Deutlich-keit, wie an jener Stelle der' Vorlesungen, hat er in der Früh-zeit die Kunst als ein Reflexionsmedium nur in dem berühmten116. Athenäumsfragment bezeichnet, in dem es von der romanti-schen Poesie heißt, daß sie „am meisten zwischen dem Dar-gestellten und dem Darstellenden 150 ) frei von allem . . . Interesseauf den Flügeln der Reflexion in der Mitte schweben, dieseReflexion immer wieder potenzieren und wie in endloser Reihevon Spiegeln vervielfachen" kann. Von dem produktiven undrezeptiven Verhältnis zur Kunst sagt Schlegel: „Das Wesendes poetischen Gefühls liegt vielleicht darin, daß man sichganz aus sich selbst affizieren . . . kann" 151 ). Das heißt: DerIndifferenzpunkt der Eeflexion, an dem diese aus dem Nichtsentspringt, ist das poetische Gefühl. Ob in dieser Formulierungeine Beziehung auf Kants Theorie vom freien Spiel der Ge-rnütsvermögen liegt, in welchem 1 der Gegenstand als einNichts zurücktritt, um nur den Anlaß einer selbsttätigen,

149 ) Vorlesungen 63.

wo) pjer' Dichter und sein Gegenstand sind hier als Re-flexionspole zu denken.«*) A 433.