Druckschrift 
Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

— 52 —

staridsbewußtsein selbst. Mit Recht darf sie also eine ironischeheißen, weil sie im Nicht-Wissen — im Zuschauen — besserweiß, — identisch mit dem Gegenstand ist. Es wäre also erlaubt,wenn es nicht richtiger wäre diese Korrelation überhaupt ausdem Spiel zu lassen, von einer Koinzidenz der objektiven undder subjektiven Seite in der Erkenntnis zu sprechen. Simultanjeder Erkenntnis eines Gegenstandes ist das eigentliche Werdendieses Gegenstands selbst. Denn die Erkenntnis ist, nach demGrundsatz der Gegenstandserkenntnis, ein Prozeß, der das zuErkennende erst zu dem, als was es erkannt wird, macht. Dahersagt Novalis: „Der Beobachtungsprozeß ist ein zugleich subjek-tiver und objektiver Prozeß, ideales und reales Experimentzugleich. Satz "und Produkt müssen zugleich fertig werden, wenner recht vollkommen ist. Ist der beobachtete Gegenstand einSatz schon und der Prozeß durchaus in Gedanken, so wird dasResultat . . . derselbe Satz nur in höherem Grade sein"' 48 ).Mit dieser letzten Bemerkung geht Novalis über die Theorie derNaturbeobachtung zur Theorie der Beobachtung geistiger Ge-bilde über. Der „Satz" in seinem Sinne kann ein Kunstwerk sein.

ua ) Schriften 453.