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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
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Unendlichkeit der Reflexion als eine erfüllte Unendlichkeitdes Zusammenhanges verstanden: es sollte in ihr alles aufunendlich vielfache Weise, wie wir heute sagen würden syste-matisch, wie Hölderlin einfacher sagt „genau" zusammenhängen.Mittelbar kann dieser Zusammenhang von unendlich vielenStufen der Reflexion aus erfaßt werden, indem gradweise diesämtlichen übrigen Reflexionen nach allen Seiten durchlaufenwerden. In der Vermittlung durch Reflexionen liegt aberkein prinzipieller Gegensatz zur Unmittelbarkeit des denkendenErfassens, weil jede Reflexion in sich unmittelbar ist 30 ). Eshandelt sich also um eine Vermittlung durch Unmittelbarkeiten;Eriedrich Schlegel kannte keine andere und er spricht gelegent-lich in diesem Sinne von dem „Uebergang, der immer einSprung sein muß" 31 ). Diese prinzipielle, jedoch nicht absolute,sondern vermittelte Unmittelbarkeit ist es, auf der die Lebendig-keit des Zusammenhanges beruht. Es ist freilich virtuell aucheine absolute Unmittelbarkeit in der Erfassung des Reflexions-zusammenhanges denkbar; mit dieser würde der Zusammen-hang in der absoluten Reflexion sich selbst erfassen. — In diesenAusführungen ist nicht mehr als ein Schema der romantischenErkenntnistheorie gegeben, und erst die Fragen, wie die Roman-tiker es im einzelnen konstruieren, sodann aber, wie sie esausfüllen, bilden das Hauptinteresse.

Was zunächst die Konstruktion angeht, so hat sie in ihremAusgangspunkt mit Fichtes Reflexionstheorie im „Begriff derWissenschaftslehre" eine gewisse Verwandtschaft. Das bloßeDenken mit seinem Korrelat eines Gedachten ist für die ReflexionStoff. Es ist zwar dem .Gedachten gegenüber Form, es ist einDenken von etwas und darum soll es aus terminologischenGründen erlaubt, sein, es die erste Reflexionsstufe zu nennen;bei Schlegel heißt sie der „Sinn" 32 ). Die eigentliche Reflexionin ihrer vollen "Bedeutung entsteht jedoch erst auf der zweitenStufe, in dem Denken jenes ersten Denkens. Das Verhältnisdieser beiden Bewußtseinsformen, des ersten und zweiten Den-kens, hat man sich genau gemäß den Fichteschen Ausführungenin der genannten Schrift vorzustellen. Im zweiten Denkenoder, mit Friedrich Schlegels Wort, der „Vernunft" 33 ) kehrtin der Tat das erste Denken verwandelt auf höherer Stufewieder: es ist zur „Form der Form als ihres Gehalts" 34 ) ge-worden, die zweite ist aus ;der ersten Stufe, somit unmittelbar

30 ) S. o p. 14 f. 3i) Jugendschriften II, 176.32 ) Vorlesungen 6. 3;l ) Ebenda. 34 ) Fichte 67.