Druckschrift 
1 (1790)
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

189Sehen Sie, mein Freund! aus diesen Grün-den wäre es sehr heilsam, wenn alle Eltern denLehrer ihrer Kinder auch in dieser Hinsicht zu Ra-the zögen, weil er, wie gesagt, die allerbeste Ge-legenheit hat, die wahre Neigung derselben beob-achten zu können. Aber dabei ist es freilich auchnöthig, daß er nicht etwan eine einzige, sondernalle ihre Seelenkräfte übt. Er muß sie in meh-rere Zustände versetzen, muß jede Saite ihresGeistes und Herzens rühren, um zu erfahren,wo sie zusammen genommen einen harmonischenEinklang geben. Er muß nachher, wenn er ih-rer wahren Neigung auf der Spur zu seynglaubt, sie mit den Pflichten, den Lasten und Er-fordernissen des zu wählenden Standes bekanntmachen, und alsdann ihre Gedanken darüber er-forschen, und den Grad ihres Muths und ihrerEntschlossenheit dabei beobachten. Sonst kann erunmöglich sagen: Dazu, und zu nichts anderswird dieser oder jener in der Folge vorzüglichbrauchbar seyn.Ob Sie diese Pflicht bisher erfüllt haben? isteine Frage, die schon Ihr Gewissen verneinenwird, geſetzt auch, die Bemerkung zu Anfangemeines Briefes redete weniger laut. Indessen165zweifle