Geschichte der militärischen Verhältnisse (kr Stadt Düsseldorf. 449
seit nunmehr einem halben Jahre nicht mehr geschehen,vielmehr lägen sie ihren Quartiergebern auf eine unerträg-liche Weise zur Last und nach ihrer Ueberzeugung könntendieselben sie nicht mehr mitunterhalten. — Inzwischenhat eine Meldung nach Düsseldorf den befehligenden Generalherbeigerufen, welcher selbst die Klage der Leute ver-nimmt und ihnen eröffnet, dass sie in Zeit von 24 Stundenund fortan regelmässig ihre täglichen Portionen erhaltenwürden. Die Soldaten sind zufrieden gestellt und die Uebung
?eht ohne weitere lndisciplin in bester Ordnung vor sich.m Herbst des Jahres 1797 wurde der Karlsplatz aus-gefüllt und planirt und diente der Garnison als Exercier-und Paradeplatz. Im Jahre 1799 wurde mit dem grösstenEifer an den Befestigungen gearbeitet, jeder Amtsbezirkmusste 150 Arbeiter und 10 Fuhren stellen. Im Herbstwurde die Arbeiterzahl erst auf 2400 und dann auf 1400herabgesetzt. Ferner mussten 50 000 Pallisaden, 15 000Faschinen und 2000 Eichenstämme durch das Land geliefertwerden. Endlich machte der Frieden zu Lüneville am9. Februar 1801 der Herrschaft der Franzosen auf demrechten Rheinufer ein Ende, auch enthielt er die für Düssel-dorf segensreiche Bestimmung, dass die Festungswerkegeschleift werden sollten. Nach den getroffenen Fest-setzungen sollten die Franzosen am 31. März 1801 das rechteRheinufer räumen, jedoch sollten vorher die Festungs-werke geschleift und der Rest der Kriegssteuern bezahltwerden. Die Landstände weigerten sich zunächst, an denKosten und der Arbeit theilzunehmen, da es sich ja nurum Verschönerung von Düsseldorf handle. Hiermit drangeneie aber nicht durch, da nach Ansicht der Franzosen dieAusführung der Friedensbedingungen Aufgabe des ganzenLandes sei. Die Franzosen selbst zerstörten nun die Haupt-werke, indem sie Kasematten und Mauerwerk mit Pulversprengten. Die für Ausbau und Instandhaltung der Festungjährlich vom Bergischen Lande ausgeworfenen 30 000 Thalerwurden in diesem Jahre zum letzten Male erhoben, umnun aber die Kosten der Zerstörung zu decken. Es gelang,durch freiwillige Arbeit bis zum Mai die Stiche soweit zufördern, dass die Franzosen sich befriedigt erklärten undam letzten Mai abzogen. Hiermit verliert Düsseldorf seinemilitärische Bedeutung. Fast wäre Düsseldorf nochmalsdem Schicksal verfallen, Festung zu werden. Als im Spät-herbste des Jahres 1811 Napoleon nach Düsseldorf kam,unterwarf er die Stadt und Umgegend einer persönlichenRekognoscirung, um zu untersuchen, ob sich dieselbe zurnochmaligen Befestigung eigne. Er stand jedoch voll-ständig wegen der ungünstigen Lage der Stadt von diesem
29