Geschichte der militärischen Verhältnisse der Stadt Düsseldorf. 423
er noch: auf dem Walle wäre grosse Unordnung, Ferkel,Schafe, Ziegen spazieren darauf herum, wie es doch keinerOrten gebräuchlich sei, auch Kinder, wie Jung und Altträten die Brustwehren nieder; die Wallthüre stände jeder-zeit offen, auch habe Jedermänniglich, geistlichen und welt-lichen Standes, Schlüssel davon und gebrauche sie, des-wegen wäre es sehr nöthig, dass sein gnädiger Fürst undHerr die fürstlichen Räthe in allen diesen Dingen bessereOrdnung bestellten.
In einem vierten Schreiben beklagt Breckewolt sich noch-mals dringend über den schlechten Zustand des Artillerie-wesens, da ein Theil des Geschützes, besonders des auf demRheinörtchen, so beschaffen sei, dass man es noch ,,zurFreuden, zu Schimpf oder Ernst" aber nicht mehr gebrau-chen könne. Von 5 Feldschlangen und 6 Serpentinen, dieauf den Wällen ständen, seien die Achsen und Boden soverfault, dass die darauf liegenden Stücke durchfielen. —Das Schreiben schliesst wie alle mit dringlicher Bitte umReparatur.
Bei Antritt der Regierung des letzten Herzogs JohannWilhelm von Cleve reicht Breckewolt nochmals ein Ver-zeichniss aller Uebelstände ein, zugleich verwahrt er sichgegen die Folgen der Nachlässigkeit und bittet mit allemFleiss zu erwägen, dass den Schäden abgeholfen und Materialangeschafft werde; auch möge Gott verhüten, schreibt erweiter, dass man Geschütze und Werk zum Ernst gebrauchenmüsse. — Endlich entschliesst sich die Verwaltung im Jahre1596 zu einer Besichtigung. „Am 26. Juli 1596 ist der HerrCanzler Broill sammt dem Vice-Canzler L. Pütz neben demHauptmann Caterbach, Schultheiss Breckewolt und Bürger-meister zu Düsseldorf, auch dem Baumeister Pasqualinüber den Stadtwall allhier, gleichfalls die Citadelle gegangen,um die Gelegenheit und Mängel zu besichtigen." Ueberdie Besichtigung erfolgte ein ausführlicher Bericht, auswelchem zur Zeit der geringe Werth der Festung ersichtlichist. Es wird hervorgehoben, dass an vielen Stellen, ausMangel an Leuten, die Schildwachen fehlen; ein Wacht-haus ist durch „die Beesten" verunreinigt., kein Tisch nochBrettchen sei darin, daher müssten die Wachmannschaftenauf der Erde in Koth und Unflath aufeinander liegen, dasonst, wenn Tisch und Bretter darin wären, sie etwas an-wenden könnten, damit sie wach blieben. Der Bürger-meister will für Abstellung sorgen. Ferner wäre es gut,wenn keine Kühe auf die Wälle kämen, so dieselben be-schädigten. Die Gräben auf den Wällen sollen besser imStande gehalten werden, damit nicht in Regenzeiten, wie