Druckschrift 
Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
Seite
414
Einzelbild herunterladen
 

414

Theater und Musik.

den wohlthätigen Zweck haben, dem Publikum den sehrzweifelhaften Ohrenschmaus des Instrumentenstimmens zuersparen." ,,Die Bühne selbst ist 15,70 Meter tief und22,50 Meter breit. Die Breite der Bühnenöffnung beträgt10,50 Meter. Die Bühneneinrichtung hat Herr Maschinen-meister Brandt von Darmstadt geleitet. Es ist dies der-selbe berühmte Meister, welcher auch von Richard Wagnernach Bayreuth berufen wurde, um dessen Meisterbühnefür die Darstellung der Nibelungen-Trilogie einzurichten;es verdient daher die grösste Anerkennung, dass die Lösungdieser für ein Theater wichtigsten Aufgabe solch einereminent befähigten Kraft anvertraut wurde. Die Bühnen-einrichtung des hiesigen neuen Theaters ist aber auch ge-radezu vollendet zu nennen und genügt allen Anforderungen,welche heutzutage in potenzirter Form an die Bühnen-technik gestellt werden, in der erschöpfendsten Weise.Die Gardinen und Prospekte können ungerollt in vollerHöhe aufgezogen werden. Die zusammengehörigen De-korationen sind durch Maschinerien derartig miteinanderverbunden, dass sie durch eine einfache Kurbeldrehungzu gleicher Zeit, d. h. also mit einem Ruck zusammen-gestellt auf der Scene erscheinen. Hinter der eigent-lichen Bühne ist noch ein grosser Raum, welcher nöthigen-falls noch als Fortsetzung der Bühne benutzt werden kann.In dem Bühnenpodium sind fünf Versenkungen und mehreresogenannte Kassettenklappen angebracht, welch' letzterezum Versenken von Versatz- und Dekorationsstückendienen. Unter diesem Podium befindet sich die ganze Unter-maschinerie in zwei Etagen, auch sind in diesem RäumeAusgänge nach dem Orchester und der Eingang zum Souff-leurkasten angebracht. Ueber der Hinterbühne befindetsich der geräumige Malersaal, in welchem die Prospekte undGardinen in voller Grösse ausgebreitet gemalt werden."Fügen wir schliesslich noch hinzu, dass das ganze Hausdurch sieben Kaloriferen nach neuestem, rauchunmöglichemSystem, mit Wasserverdampfung (von Reinhardt in Würz-burg) geheizt wird, so haben wir ein ungefähres Bild vonder Grösse, Schönheit und Zweckmässigkeit des neuenGebäudes. Im Ganzen sind auf den Bau selbst über eineMillion Mark verwendet worden."

Die Hoffnung, das Theaterwesen durch diese grossenOpfer endlich auf eine sichere Grundlage gebracht zu haben,sollte sich jedoch vorläufig noch nicht verwirklichen. DerDirector Scherbarth wurde, trotzdem er zu gleicher Zeitim alten Theater Vorstellungen gab, noch im Laufe derersten Saison bankerott, da er seinen Verpflichtungennicht nachkommen konnte; sein sehr reichhaltiges In-