40* Theater und Musik.
heben. Mendelssohn war natürlich die geeignetste Persön-lichkeit, mit mittelmässigen Kräften — denn für grosseVirtuosen waren keine Mittel vorhanden — das für dieOper zu leisten, was Immermann für die Schaubühne zuleisten unternommen hatte. Mendelssohn, der schon imOctober sein neues Amt übernahm, trat sofort in den Theater-verein ein, und es wurde mit Rücksicht auf die schon vor-geschrittene Jahreszeit beschlossen, vorläufig die Muster-vorstellungen des vorigen Jahres in erweiterter Form fort-zuführen, indem sich Mendelssohn zur artistischen Leitungder Oper bereit erklärte.
Beim Beginne der Saison machte sich ganz unerwarteterWeise zum ersten Male eine Opposition gegen Immer-manns Bestrebungen geltend. Die Reihe der Mustervorstel-lungen sollte nämlich diesmal mit der Aufführung des DonJuan unter Mendelssohns Leitung am 19. December er-öffnet werden; drei Tage vorher war kein Billet weder zuden Logen noch zu den gesperrten Sitzen zu erhalten. Infreudigster Erregung sah man dem Abende entgegen, andem Mendelssohn zum ersten Male am Dirigentenpulteerscheinen würde; Niemand ahnte den unangenehmenZwischenfall, der das ganze Unternehmen von vornhereinin Frage stellte. Der Abend nahte, und schon gegen halbfünf Uhr hatte sich die zuströmende Menge durch die Ein-gangsthüren gedrängt, so dass um halb sechs Uhr alle Räumegefüllt waren. Hoch und höher wurde die Erwartung ge-steigert ; die Mitglieder des Orchesters suchten sich zu fassen,da erschien Mendelssohn und ein tumultuarisches Ge-räusch, welches sich gleich anfangs erhoben hatte, legtesich plötzlich.
Während der Ouvertüre, die auf das Glänzendstegelang, blieb Alles ruhig, als aber der Vorhang sich hob,da brach der Widerwille des rohen ungebildeten Pöbelsgegen das höhere Streben sich freie Bahn. Es wurde ge-heult, gepfiffen, getrommelt, der Director vorgefordert;die Bestie war los. Nur mit der aussersten Anstrengung,unter häufigen Unterbrechungen aus dem Parterre undder Gallerie gelang es, die Oper zu Ende zu führen. Dieäussere Veranlassung zu dem Tumulte war die Erhöhungder Eintrittspreise gewesen, welche den Zweck hatte, denSchauspielern für die viele Mühe und Anstrengung, welcheihnen aus diesen Vorstellungen im Besonderen erwuchsen,in Form von Prämien für besonders gute Leistungen eineBelohnung zu bieten und sie zu weiteren Studien anzu-spornen. Immermann war auf das Aeusserste empört:„Nach unserer Ansicht", schrieb er dem Comite, „kann