Theater und Musik. 397
Ehe wir uns der Glanzperiode des Düsseldorfer Theatersunter Immermanns Leitung zuwenden, haben wir uns nochkurz mit dem Manne zu beschäftigen, der es zum erstenMale verstand, durch eine lange Reihe von Jahren hindurcheine feste Schauspielertruppe zusammenzuhalten und dasDüsseldorfer Theaterunternehmen auf eine sichere pekuniäreGrundlage zu stellen. Es ist dies der Direktor Derossi,welcher mit Ausnahme der Jahre 1834—37, wo Immermanndie Leitung des Theaters übernommen hatte, vom Jahre1817—1840 Pächter und Direktor des hiesigen Theaterswar und mit geschäftskundiger Hand die vielen Schwierig-keiten, an denen seine Vorgänger meist gescheitert waren,zu überwinden verstand. Schon seit dem Jahre 1814 warer an der Düsseldorfer Bühne als Schauspieler und Regisseurunter seiner Vorgängerin, der Madame Caroline Müllerthätig gewesen, welche um diese Zeit regelmässig mit ihrerTruppe während der Wintermonate Düsseldorf besuchteund das Publikum gewöhnlich wöchentlich drei Mal mittheatralischen Vorstellungen unterhielt; er kannte alsobei der Uebernahme der Direktion die Schwierigkeiten,welche gerade Düsseldorf einem solchen Unternehmen bot.Denn während auf der einen Seite möglichst hohe künst-lerische Anforderungen an ihn gestellt wurden, hatte erandererseits auf keine pekuniäre Unterstützung von Seitender Stadt zu hoffen. Die Abgaben, welche die Direktorenals Miethe an den Theater-Baufonds, sowie an die Armen-verwaltung zu entrichten hatten, waren von jeher äusserstdrückend für dieselben gewesen. Die Armenabgabe wurdeauf verschiedene Weise erhoben, indem bald von jeder Vor-stellung ein bestimmter Betrag, um diese Zeit meist zwischen2 und 3 Thalern schwankend, entrichtet werden musste,bald die Bestimmung getroffen wurde, dass während jederSaison zwei Armenvorstellungen gegeben werden sollten;zu anderen Zeiten wurden 5% von der Brutto-Einnahmejeder Vorstellung für diesen Zweck erhoben; dazu kam dieTheatermiethe, welche nach der Restauration des Gebäudesim Jahre 1832 von 2% Thaler auf das Doppelte erhöhtwurde.
Da dem Direktor ausserdem, wie schon oben er-wähnt, keine pekuniären Erleichterungen von Seiten derStadt zu Theil wurden, so ist es wenigstens theilweise zuentschuldigen, wenn Derossi bei seinem Unternehmen sichganz nach dem Geschmacke des gewöhnlichen Theater-besuchers richtete, da irgend welche höhere, ideale Be-strebungen sicher seinen pekuniären Ruin herbeigeführthaben würden. Um seine Truppe während des ganzenJahres zusammen halten zu können, war er genöthigt,