Druckschrift 
Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
Seite
396
Einzelbild herunterladen
 

iM

Theater und Musik.

den Zustand des alten Theaters bei seiner Ankunft in Düssel-dorf im Frühling des Jahres 1827:Nachmittags hörteich in meinem Gasthofe, es sei hier auch Theater. Der Nameder Gesellschaft wurde mir genannt, die, im Herbst zu-sammengestoppelt, den Winter durch sich für das Wohlder Menschheit bemühe, und im Frühling, wenn die Schwalbenkommen, wieder auseinander fliege. Der zweite Gang waralso Abends in's Schauspielhaus. Es war nicht leicht, indas Allerheiligste dieses Tempels vorzudringen, denn Dunkel,wie es sich für die Avenüen zu Mysterien ziemt, waren dieKorridors, denen hin und wieder die Bedielung fehlte, sodass man in dieses und jenes Loch trat, und gegen manchenrohen Pfosten stiess man in der Dunkelheit."

Ein nichtswürdiges Lokal war's in der That, das alteGieshaus, worin sie damals spielten", fiel der Papageigrüneein.Man wusste gar nicht, was man im Parterre unter denFüssen hatte, ob es noch Bruchstücke von ehemaligenBohlen waren, oder der reine Müll. Einmal bricht ein dickerMann mit seinem Beine durch den Fussboden seiner Logedurch; eine Dame, die in dem Räume darunter sitzt, fälltin Ohnmacht vor Schreck über den dunkeln Körper, der daso plötzlich vor ihrem Gesichte hängt, der arme Mann renkteich aber das Bein aus. Indessen sass sich's doch rechthübsch darin, und man war einmal daran gewöhnt. Anden Bogenbrüstungen umher standen auch die Namender Theaterschriftsteller und der Komponisten angeschrieben!die Theaterschriftsteller schwarz, und die Komponistenloth. Das sah recht gut aus."

Wenn man sie nur hätte deutlicher lesen können!"rief der schwarze Domino (Immermann).Aber, Lieber,der Kronleuchter verbreitete doch ein gar zu zartes Dämmer-licht. Sie gaben an jenem Abende ein Stück, ich weissnicht mehr welches. Darauf folgte eine Merkwürdigkeit,Ein Gastwirth aus der Nähe, der sich bewusst war, dass dieAder des Schönen in ihm rinne, deklamirte den Ausbruchder Verzweiflung von Kotzebue."

Endlich wurde im Jahre 1832 diesem traurigen Zu-stande des Theatergebäudes ein Ende gemacht, indemam 1. Juni dieses Jahres 20 000 Thaler für die Wieder-herstellung von der Stadtverordneten-Versammlung bewilligtwurden. Man überzog die Sitzlehnen mit rothem Tuch,versah Gallerie und Decke mit zierlichem Anstrich, ver-besserte die Beleuchtung und pflanzte, um durch äusseresAnsehen den Thalientempel zu rechtfertigen, einen Porticus(6 Fuss weit) aus vier jonischen Säulen mit Frontispiz vorden Giebel.