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Theater und Musik.
Düsseldorf war im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahr-hunderts der Sammelplatz von französischen Flüchtlingen,unter denen sich auch viele hervorragende Männer befanden,so dass sich hier bald ein reges geistiges und gesellschaft-liches Leben entwickelte. Bemerkenswerth ist noch ausdieser Zeit, dass am Karoli-Tag 1794 von der Gesellschaftdes Schauspieldirectors Hunnius hier zum ersten MaleMozarts Zauberflöte zur Aufführung gebracht wurde.
Am 25. Februar 1806 nahm Napoleon für seinenSchwager Mürat Besitz vom Herzogthum Berg; dass dieFremdherrschaft äusserst deprimirend auf ein deutschesTheater wirken musste, ist selbstverständlich; wie völligbar man aber damals noch jedes Nationalbewusstseinswar, zeigt sich in einem besonders grellen Lichte auf demTheater zu Düsseldorf. Man benutzte hier die Bühne dazu,den gefährlichsten Feind deutscher Sitte und Cultur, denKaiser Napoleon den Ersten, zu vergöttern. Wie schamlosman dabei zu Werke ging, möge uns folgende kurze Inhalts-angabe eines Prologs zur Feier des St. Napoleon-Tages,aufgeführt auf dem bergischen National-Theater zu Düssel-dorf den 15. August 1806, vorführen: Die Scene ist eineländliche Gegend. Landleute, festlich geschmückt, bringeneinen Lorbeerbaum, verziert mit Bändern und Kränzen,und setzen ihn in die Mitte der Bühne. Ein Greis hält eineschwungvolle Lobrede auf Napoleon; eine feierliche Musikertönt — Minerva lässt aus den Wolken sich herab — dieLandleute drängen sich ehrfurchtsvoll zu beiden Seitender Scene und fallen auf die Kniee. Minerva preist Napoleonals den grössten Sohn der Zeiten, der Götter Liebling, derMenschheit Schirm und Stolz u. s. w. Darauf erhebt sichdie Göttin in die Wolken. Unter einer sanften Harmonieverwandelt sich die Scene in den strahlenden Tempel desNachruhms.
Napoleons Brustbild, colossal, über demselbenein Stern in einem Oval, von Lorbeerzweigen umgeben,ruht auf den Schultern der Europa, die ihren Arm über diealte Hemisphäre ausstreckt. Es folgt ein Quartett derPriester, dann wieder eine Lobrede des Greises; unter denKlängen einer jubelnden Musik erscheint schliesslich derGenius des Friedens. Das Ganze endet mit einem Recitativund Schlusschor. — Nun, für diese Kriecherei machtensich die hier anwesenden Franzosen auch weidlich lustigüber die Düsseldorfer Bühne, die ihnen zur Zielscheibeihres Witzes diente; in einer Flugschrift ,,S6ance au Par-nasse sur le Theatre de Dusseldorf" wird dieselbe auf dasschärfste gegeisselt. —