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Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
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393
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Theater und Musik. 303

die allhiesige Schauspieler-Gesellschaft zum Besten undWohl hiesiger betrangten Stadt-Armen das TrauerspielHamlet aufführen: Abonnement suspendu. Nur ein Hamletkann den Zuschauer erstarrend machen, sein Herz in diePresse nehmen und alle seine Sinne mit der Ewigkeit be-kannt machen. Dieses Trauerspiel ist eine wahre schreck-liche Geschichte Dännemarks, und enthält schaudernd dasWidervergeltungsrecht: der Geist eines ermordeten Königskommt aus seinem unterirdischen Behältniss, erscheint umMitternacht, ob dem verabscheuungswürdigen Bubenstückseines Oheims, entdeckt ihm die frefelhafte Ermordung.Hamlet, von Wuth, Rache und Wehe durchdrungen, stürztwüthend auf seinen meuchelmörderischen Oheim, durch-bohrt ihm, rächet den Tod seines Vatters und besteigt seinenrechtmässigen Thron (sie!). Wo hatte es noch einen Menschengegeben, der nicht gern Hamlet gesehen, bewundert, ihmseinen Besuch und Beyfall geschenket hatte." Es handeltsich hier um eine sogenannte Armenvorstellung, da denDirektoren häufig gestattet wurde, anstatt drei Guldenfür jede Vorstellung an die Armenkasse zu entrichten, imVerlaufe der Saison zwei Vorstellungen zu geben, derenErtrag ganz den Armen zu Gute kommen sollte; die naive,etwas marktschreierische Reclame kommt also in diesemFalle den Armen zu Gute. Bezeichnend genug ist auchfolgender Zettel aus dem Jahre 1784:Mit gnädigster Er-laubniss werden die hier anwesende bekannte ItaliänischeVirtuosen, in hiesigem Churfürstlichem Comedienhauss heuteSonntag den 19. December 1784 aufzuführen die Ehrehaben: eine hier noch nie gesehene Opera Buffa in zweiAufzügen, betittelt: der Hypochondrist, verzweifelt über dieDoctoren, wird hernach aus Bach ein französischer Pferde-arzt. Die Musik ist von Herrn Sarti, Kapellmeister von derKaiserin von Russland. Das Leggeld: auf der Gallerie,der gewesenen Churfürstlichen Loge, und dem Parquettzahlt die Persohn 30 Stüber, auf der zweiten Gallerie20 Stüber, auf dem Parterre 10 Stüber, auf dem letztenPlatz 5 Stüber (1 Stüber ist etwa 5 Pfennig)."

In der darauf folgenden Periode der französischenRevolution wurde das Theatergebäude von durchziehendenTruppen, welche wiederholt in dasselbe einquartirt wurden,arg beschädigt. Die Wittwe Böhm, welche schon früherVorstellungen in Düsseldorf gegeben hatte, erhält am8. August 1798 die Erlaubniss zur freien Benutzung desTheaters für den folgenden Winter unter der Bedingung,dass sie das von den Franzosen verwüstete Schauspielhausauf ihre eigenen Kosten wieder in den Stand setzt.